Erinnern wir uns ein Jahr zurück: Peter Heppner ging auf eine Tour, die im Vorfeld immer weiter gestutzt wurde. Termine wurden verschoben, in kleinere Locations verlegt, abgesagt… Am Ende konnte dann zwar eine angenehme Club-Tour stattfinden, aber der Vorlauf war denkbar schlecht. Diesmal sollte alles anders sein: Von vornherein waren die Hallen kleiner und die Eintrittspreise waren beinah halbiert. Da weniger bekanntlich manchmal mehr ist, wurde mit Melotron prompt auch ein Support-Act mit ins Boot geholt. Einzige Unsicherheit war dieses Mal bloß das Wetter – aber sowohl die Musiker als auch die Zuschauer kamen alle pünktlich angeschlittert, um gemeinsam den Glauchauer Konzertabend zu feiern.

Was sich schon bei der Tour 2009 zeigte, war auch 2010 bereits in der Einlass-Schlange zu sehen: Peter Heppner zieht ein sehr gemischtes Publikum, das sich alters- und subkulturellen Klassifizierungen inzwischen weitestgehend entzieht. Ein erfreulicher Zuschauerquerschnitt also, der offensichtlich für den inzwischen auch aus Funk und Fernsehen bekannten Hamburger angereist ist. Man könnte meinen, dass einem beachtlichen Teil des Publikums der Name Melotron also gar nicht bekannt war – oder höchstens noch von der Teilnahme am Bundesvision Song Contest 2007 in irgendeinem hinteren Gehirnwinkel noch präsent war.

Der Gedanke liegt also nahe: Eine schwere Aufgabe für Melotron. Allerdings nahmen sie sich dieser mit Bravour an und zeigten gleich ab den ersten Takten, dass sie ihr durch und durch gewachsen waren. Mit Brüder als Opener eröffneten sie mit ihrem treibenden SynthiePop eine dynamische Show mit viel Bewegung. Gerade Sänger Andy Krüger stand kaum still auf der Bühne und konnte so schnell das Publikum für sich einnehmen. In ihrer halben Stunde Spielzeit zeigte die Band einen Querschnitt durch ihr Schaffen, in dem sowohl Hits wie Der blaue Planet wie auch Songs vom aktuellen Album Propaganda enthalten waren. Außerdem spielten sie eine gelungene Coverversion von Rio Reisers Menschenfresser. Zu Coverversionen mag man stehen, wie man will – wehgetan wurde hier auf jeden Fall niemandem. Eine insgesamt sehr gelungene Einstimmung auf den Abend, bei dem die Band sich sicherlich den einen oder anderen neuen Zuhörer erspielt haben dürfte.

Setlist: Brüder, Stuck in the mirror, Menschenfresser, Der Anfang, Das Herz, Love is calling, Der blaue Planet

Um kurz nach zehn war es dann soweit: Die Lampen am Notenpult und den Keyboards wurden angeknipst, die Bühne erstrahlte in einem blauen Licht und Peter Heppner betrat mit seiner Band die Bühne. Eröffnend wurden zunächst drei Songs des aktuellen Albums gespielt, wobei schon Alleinesein das Eis zwischen dem Glauchauer Publikum und den Musikern zu brechen vermochte. Etwas, das sich auch den Abend über nicht mehr ändern sollte. Peter Heppner gab mit seiner Band einen guten Überblick über sein musikalisches Repertoire und beschränkte sich dabei – wie auch auf der letzten Tour – nicht nur auf sein Solo-Album, sondern spielte auch Songs von Wolfsheim sowie diverse Stücke, die in Zusammenarbeit mit anderen Stücken entstanden sind.

Zwar war erfreulicherweise feststellbar, dass auch die Songs des Solo-Albums sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, dennoch war unüberhörbar im Publikum, dass gerade die Klassiker gerne gehört und gesehen werden wollten. Die Flut funktionierte auch mit Gitarrist Carsten Klatte anstelle von Joachim Witt sehr gut, Songs wie Wir sind wir und Dream of you konnten von der Band ebenfalls sehr gut originalgetreu gespielt werden. Die Wolfsheim-Songs waren indes Selbstläufer. Ein Umstand, auf den man eingestellt war – bei Kein Zurück beispielsweise wurde zur Spannungssteigerung ein ausgiebiges Intro ergänzt. Auch bei Once in a lifetime und Wundervoll zeigte sich das Publikum sehr text- und tanzstilsicher.

Peter Heppner zeigte sich an diesem Abend sichtlich gerührt und begeistert von der euphorischen Reaktion des Publikums. Kein Wunder also, dass nach dem regulären Set noch zwei Zugaben her mussten. Im ersten Teil war mit God smoked ein neuer Titel enthalten, der sich sehr tanzbar in das bisherige Solo-Werk Peter Heppners einreiht, bevor Leben… I feel you die erste Zugabe abrundete. Mit dem Evergreen The sparrows and the nightingales wurde dann nach guten 100 Minuten ein zufriedenes Publikum hinterlassen. Ein gelungener Konzertabend, der sowohl in puncto Vorband als auch in puncto Hauptact überzeugen konnte. Um kurz vor Mitternacht durfte also glücklich wieder nach Hause gerutscht werden…

Setlist: I hate you, Alleinesein, No matter what it takes, Die Flut, Künstliche Welten, Being Me, Wherever, Kein Zurück, Wir sind wir, Easy, Suddenly, Vorbei, Vielleicht, Once in a lifetime, Dream of you, Wundervoll, Das geht vorbei…
Zugabe 1: God smoked, Leben… I feel you
Zugabe 2: The sparrows and the nightingales

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Text und Bilder: Marius Meyer