Eine schwere Geburt war sie dann doch, diese Tour. Zuerst groß durch ganz Deutschland in großen Hallen angelegt, verschwanden bald nach und nach acht Konzerte aus der Tour und in vielen Orten wechselte man in kleinere Hallen. Auch Leipzig war betroffen: Das nach einer Verschiebung vom Dezember für den 05.02.2009 im Haus Auensee angesetzte Konzert fand so jetzt erst weitere zehn Tage später statt und wurde ins kleinere Werk II verlegt. Über die Gründe für dieses Tour-Dilemma kann man im Endeffekt nur mutmaßen, für denjenigen, der dennoch eines der Konzerte besuchte, wirkte sich dies aber nicht weitergehend aus: Ein gut aufgelegter Peter Heppner, eine spielfreudige Band und ein gelungener Konzertabend rechtfertigten den Eintrittspreis in jeder Hinsicht.

Von der Öffnung der Halle bis zum pünktlichen Beginn um 21:00 Uhr (ohne Vorband direkt zu Peter Heppner) zeigte sich bald, dass Peter Heppner längst ein sehr vielfältiges Publikum anspricht, das sich jedweder kulturellen und subkulturellen Klassifizierung entzieht: Fast alle Altersschichten und die verschiedensten Outfits trafen da aufeinander, um miteinander zu feiern. Dass es dabei mit etwa 450 Zuschauern relativ wenige waren, die den Weg fanden (man bedenke die Größenordnung eines Peter Heppner), kümmerte die Musiker auf der Bühne wenig. Diese boten ein wirklich beherztes Konzert, das nicht nur musikalisch glasklar herüberkam, sondern die Musiker auch völlig ungekünstelt und voller ehrlicher Freude über die Resonanz aus dem Publikum zeigte. Da wurde sich auch schon mal zugenickt und anerkennend zugelächelt nach dem Applaus.

Spätestens mit dem nach dem Intro an dritter Stelle gespielten Hit Alleinesein aus dem aktuellen Solo-Album des Hamburger Musikers war das Publikum aus dem Häuschen. Euphorische Reaktionen, wie man sie auf Wolfsheim-Konzerten selten erlebt hat, waren die Folge. Zurecht: Was auf Platte noch relativ synthetisch klingt, bekam auf der Bühne einen sehr organischen Charakter. Mit echtem Schlagzeug, einer Live-Gitarre und den beiden Keyboardern auf der Bühne bekam der heppnersche Synthie-Pop neben viel Gefühl auch ordentlich Druck. Von der Songauswahl her wurden neben neun Stücken des aktuellen Solo-Albums vor allem Stücke von Wolfsheim, aber auch viele Stücke aus anderen erfolgreichen Koproduktionen gespielt, die unter Mitwirkung von Peter Heppners Stimme entstanden.

Schon, als Die Flut gespielt wurde, war man überrascht, wie gut ein solcher Titel auch ohne Joachim Witt funktioniert. Für Dream Of You und Leben… I Feel You war kein Schiller vonnöten, das glich die Band schwungvoll aus. Sogar Wir sind wir konnte auch ohne einen Paul van Dyk mitreißend arrangiert werden. Dass auch bei Wolfsheim-Klassikern wie Kein Zurück und Once In A Lifetime die Stimmung kochte, war da keine Überraschung. Überraschender war eher die erste Zugabe: Mit Mr. Blue wurden gelungen Yazoo gecovert, bevor bald mit dem Klassiker The Sparrows And The Nightingales als zweiter Zugabe nach 105 Minuten ein eindrucksvolles Konzert beendet wurde.

Peter Heppner konnte zufrieden sein. Und das war er auch. Das sah man ihm an. So aufrichtige Freude kann niemand künsteln. Die Anwesenden waren ebenfalls glücklich. Ein perfekter Wochenausklang am Sonntagabend also. Während die Zukunft von Wolfsheim nach wie vor in den Sternen oder wahlweise vor Gericht steht, hat Peter Heppner es genau richtig gemacht: Markus Reinhardt gegen vier hochkarätige Live-Musiker ausgetauscht und somit eine weise Entscheidung gefällt, die für alle Beteiligten – das Publikum eingeschlossen – einen Gewinn darstellt!

Setlist: Intro, Easy, I Hate You, Alleinesein, No Matter What It Takes, Die Flut, Künstliche Welten, Being Me, Wherever, Kein Zurück, Wir sind wir, Suddenly, Vorbei, Vielleicht, Once In A Lifetime, Dream Of You, Wundervoll, Das geht vorbei
Zugabe 1: Mr. Blue (Yazoo-Cover), Leben… I Feel You
Zugabe 2: The Sparrows And The Nightingales

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Rezension: Peter Heppner – Solo
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Homepage: www.peter-heppner.com
MySpace: www.myspace.com/peterheppner

Text und Bilder: Marius Meyer