Konzertberichte Marius, 06.03.2009
Phillip Boa & The Voodooclub - 05.03.2009, Bremen
Phillip Boa in Bremen – das wurde wohl auch mal wieder Zeit. Der letzte Auftritt datiert immerhin auf 2005. Im Gegensatz zum großen Schlachthof vor vier Jahren, der trotz seiner Größe gut gefüllt war, sollte diesmal so richtig Club-Atmosphäre aufkommen und Boa spielte im deutlich kleineren Lagerhaus vor einer ansehnlichen Fan-Schar. Auf einen Support-Act wurde diesmal verzichtet, stattdessen ging es gegen 20:45 Uhr direkt mit Phillip Boa los, der auch gleich in die Vollen ging.
Mit Fine Art In Silver wurde gleich mal einer der großen Hits zum Besten gegeben, um das Eis möglichst schnell zu brechen. Das allerdings wäre kaum nötig gewesen, denn Phillip Boa hat mit dem neuen Album das Kunststück vollbracht, dass auch die neuen Stücke bei ihrer Ankündigung bejubelt werden – und das, obwohl der Großteil des Publikums sie wohl zum ersten Mal live hörte. Diamonds Fall wurde dabei im Set auch nicht zu knapp bedacht: Elf von zwölf Stücken wurden auf das Set verteilt und wechselten sich munter mit den Klassikern ab. Obgleich das neue Album überwiegend ruhig ausgefallen ist: Andächtig gelauscht wurde dennoch. Und bei schnelleren Stücken wie The Race Is Over wurde auch gerne bereitwillig mitgegangen. Was sich dabei live als ein erstaunliches Brett erwies: Black Light zum Ende des regulären Sets wurde zu einer fast schon metallischen Nummer, die den Hauptteil auf jeden Fall würdig beendete.
Neben dem neuen Album gab es zwar nicht unbedingt viele Überraschungen, aber eine wirklich gelungene Song-Auswahl, die sämtliche Klassiker beinhaltete, bei denen die Stimmung immer neue Siedepunkte erreichte. Angefangen mit Love On Sale, weiter über This Is Michael hin zu Container Love, Albert Is A Headbanger und dem obligatorischen Schluss mit Kill Your Ideals blieben da wenig Wünsche offen. So gelang nicht nur die Bühnendarbietung, sondern auch die Interaktion mit dem Publikum. Zwar hat man Phillip Boa auf manch einem Konzert auch schon mal redseliger erlebt, an schlechter Laune dürfte das aber nicht gelegen haben – den Spaß an der Sache sah man ihm an. Da stört es dann auch keinen, dass es auf der Bühne schon von der Decke tropft…

Auffällig in der Songauswahl war, dass Pia Lund auch einen hohen Gesangsanteil darin hat. Der geht zwar für gewöhnlich schon weit über Background oder Zweitstimme hinaus, auf dieser Tour steht sie aber oft deutlich im Vordergrund. Titel wie Atlantic Claire, The Ballad Of Pia And Toett und natürlich And Then She Kissed Her waren dabei bemerkenswerte Solo-Einlagen, die vom Publikum und auch von Boa selbst angemessen honoriert wurden. Und auch mit Boa gemeinsam harmonierte es auf der Bühne einwandfrei, beispielsweise wenn sie bei Lord Have Mercy With The 1-Eyed mit einer symbolträchtigen Augenklappe auf der Bühne steht. Bei dem Spaß, den es offenbar allen Beteiligten macht, mag man kaum dran denken, dass es ihre letzte Tour sein wird, ihrer eigenen Aussage folgend… Nach einer Tour wie dieser überlegt sie es sich hoffentlich noch anders.
Nach 1:45 Stunden Konzert, 23 Songs später, war dann Schluss. Die Menge war zufrieden, die Band offenbar auch. Man muss konstatieren: Phillip Boa ist derzeit sehr gut in Form. Und wenn er zuvor im Interview äußerte, die Zuschauer sollten mit einem „Der ist so gut wie noch nie.“ auf den Lippen aus dem Konzert gehen: Er hat auf jeden Fall an diesem Abend im Lagerhaus einiges dafür getan!
Setlist: Fine Art In Silver, The World Has Been Unfaithful, The Race Is Over, Annie Flies The Lovebomber, Coppergirl, Love On Sale, DJ Baron Cabdriver, Diamonds Fall, Atlantic Claire, Jane Wyman, This Is Michael, The Ballad Of Pia And Toett, I Dedicate My Soul To You, 60’s 70’s 80’s 90’s 10, Burn All The Flags, Valerian, Container Love, Black Light
Zugabe 1: Lord Have Mercy With The 1-Eyed, Diana, Albert Is A Headbanger, And Then She Kissed Her
Zugabe 2: Kill Your Ideals
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MySpace: www.myspace.com/phillipboaandthevoodooclub
Text und Bilder: Marius Meyer