Phillip Boas Weihnachtskonzerte in der Moritzbastei zu Leipzig sind ja inzwischen zur festen Tradition geworden. Diese nahm Ende 2005 keinen Abriss, also spielte Phillip Boa mit seinem Voodooclub das sechste Jahr in Folge seine Weihnachtskonzerte. Vom 26. bis zum 28. Dezember fanden die Konzerte statt, von denen die ersten beiden auch auf dem imaginären Alternativmusik.de-Plan standen. Mit einem starkem aktuellem Album im Gepäck stellte man sich auf die Bühne vor das ausverkaufte Haus. Den einen Abend im Matrosen-Anzug, den anderen Abend im eleganten Anzug mit Krawatte.
Als Support begeisterten am ersten Abend Jamboree, die mit starker Frontfrau boden- und eigenständige Rockmusik zum besten gaben und sich musikalisch am ehesten in die Nähe von Gruppen wie Die Happy einordnen lassen könnten, während den zweiten Abend Lament eröffneten. Nett anzuhören, musikalisch einwandfrei, allerdings war es schwer, den eigenen Charakter der Musik zu entdecken – starke Erinnerungen an Pink Turns Blue und auch an The Cure wurden da wach. Dennoch: Ihre Rolle als Vorband meisterten beide Formationen gut.
Anschließend konnte dann an beiden Abenden gegen 22:00 Uhr der Herr Boa selbst die Bühne entern. Eröffnet wurde mit Annie flies the Lovebomber, was die an beiden Abenden ausverkaufte Veranstaltungstonne der Moritzbastei auch gleich zum Kochen brachte. Schmerzen an diversen Gelenken wussten auch tags drauf noch ein eindeutiges Zeugnis davon abzulegen. Fortgesetzt wurde mit dem Titelstück des aktuellen Albums Decadence & Isolation, woraufhin die Marschroute für die beiden Abende abgesteckt wurde: Ein Programm mit den gesammelten Klassikern der letzten 20 Jahre, immer wieder durchsetzt mit sich nahtlos einfügenden Stücken der aktuellen CD und einigen Überraschungen zwischendurch, die sehr zur Freude des anwesenden Publikums waren. So gab es neben gefeierten Stücken wie Fine Art in Silver, Bells of Sweetness und Love on Sale auch selten gehörte Stücke wie Happy Spider, die der Stimmung in der Moritzbastei keinen Abriss tun konnten, sondern sie im Gegenteil nur noch weiter anheizten.

Phillip Boa und sein Voodooclub am 27.12.2005

Während das reguläre Set an beiden Abenden keine wirklichen Abweichungen zeigte, waren die Zugabenblöcke durchaus variabel. Eröffnet wurde der Zugabenteil an beiden Abenden mit einer schönen, minimalistischen akustik-Variante von Rome in the Rain. Als Weihnachtsüberraschung sollte es an jedem Abend eine andere Coverversion des Velvet Underground geben. So gab es am ersten Abend I can’t stand it zu hören, was in seiner Verschrobenheit dem Original in nichts nachstand und würdig interpretiert wurde. Am zweiten Abend gab es stattdessen Femme Fatale, eingängig von Pia vorgetragen und durch die Gitarre positiv verstörend angereichert.
Bleibt man bei den Coverversionen, so waren diese am zweiten Abend stärker vertreten: Neben dem bereits letztes Jahr zum Besten gegebenen Love will tear us apart coverte Boa dieses mal Moritzbastei-exklusiv kommentarlos ein Vaselines-Stück: Molly’s Lips. Hoffentlich hat man es nicht zum letzten mal gehört.
Der weitere Zugabenteil bestand aus gefeierten Stücken wie Container Love und zum krachenden Abschluss Kill your ideals.
Wer den zweiten Abend besuchte, durfte neben den großartigen Konzerten noch etwas sehen, was man so wohl noch nicht gesehen hat: Phillip Boa ließ sich auf der Bühne die Haare schneiden. Vor der Zugabe wurde ein silberner Stuhl auf die Bühne gestellt, was erst einmal verwunderte. Während Pia And then she kissed her sang, ließ Boa sich nun einfach mal die Haare schneiden. Da es sonst relativ unglaubwürdig klingen könnte, gibt es glücklicherweise Beweisfotos hierfür, wie zum Beispiel das folgende:

Phillip Boa beim Haare schneiden am 27.12.2005

Nach etwa zwei Stunden wurden die Konzertbesucher an beiden Abenden glücklich entlassen. Der Herr Boa weiterhin in Höchstform. Wer jetzt Lust hat, sich das ganze Spektakel noch einmal anzusehen oder es überhaupt erst einmal anzusehen, dem sei die Frühjahrstour dieses Jahres empfohlen… Wie die Weihnachtskonzerte erneut gezeigt haben: Es lohnt sich!

Tourdaten:
20.01.2006 Oldenburg, Kulturetage
21.01.2006 Flensburg, Roxy
27.01.2006 Karlsruhe, Substage
28.01.2006 Glauchau, Alte Spinnerei
02.02.2006 Jena, Kassablanca
03.02.2006 Magdeburg, Factory
04.02.2006 Kaiserslautern, Kammgarn
17.02.2006 Augsburg, Musikkantine
08.03.2006 London (GB), The Garage
10.03.2006 Wuppertal, Live Club Barmen

Homepage: www.phillipboa.de

Text: Marius Meyer
Bilder: Steffen - auch bekannt als „Die Wespe“ im Boa-Forum