Es ist wirklich beachtlich, wie sich das idyllische Rocken am Brocken entwickelt hat. Studenten der Hochschule Harz in Wernigerode veranstalteten das zweitägige Festival erstmals 2007. Seitdem steigen Beliebtheit und Qualität konsequent an. Die Veranstaltung im klangvollen Elend bei Sorge, nahe des Urlaubsortes Braunlage, schaffte es einst sogar in Günter Jauchs Quizsendung „Wer wird Millionär?“ und war Teil der 64.000-Euro-Frage.

Zu seinem fünften Geburtstag am vergangenen Wochenende verschrieb sich Rocken am Brocken mehr denn je dem Indie-Rock. Nationale und internationale Größen der Szene pilgerten genau wie mehrere tausend Zuschauer in den Harzort nahe Braunlage. Das Hamburger Quartett Herrenmagazin war am Freitag der erste Höhepunkt des Festivals. Vor allem Sänger Deniz Jaspersen sorgte mit viel Witz in seinen Ansagen für durchweg positive Stimmung vor der Hauptbühne.

Ein großes Plus von Rocken am Brocken im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen ist, dass sich die Gruppen auf den beiden Bühnen nicht überschneiden. Damit wird kein Zuschauer vor die Wahl zwischen zwei Bands gestellt. So ging es direkt im Anschluss an Herrenmagazin nach einem Sprint zur zweiten Bühne, die sich Jahr für Jahr in einem Zirkuszelt befindet, mit der Leipziger Band Adolar weiter. Während sie die Dosis an Melancholie von ihren Vorgängern übernahmen, wurde das Instrumentale bei Adolar etwas härter. Mit einem enorm energetischen Auftritt und vielversprechenden Einblicken in ihr zweites Album Zu den Takten des Programms, das im Herbst erscheinen soll, bot das Quartett einen bemerkenswert guten Auftritt.

Für die wohl beste Stimmung des ersten Tages waren FM Belfast verantwortlich. Eigentlich sind Isländer für ihre Unterkühltheit bekannt, diese fünf jedoch forderten das Publikum zum großen Tanz auf. Die Masse vor der Hauptbühne nahm dankend an und rastete eine Stunde lang kollektiv zum ganz eigenen Elektro-Pop aus.

Schluck den Druck verlagerten die Party mit einer Wahnsinns-Show wieder ins Zelt. Hier gab es für die Festivalgäste Federn aus einer Kanone und Schokolade.

Vielleicht lag es an den beiden Auftritten, dass Fotos und Good Shoes im Anschluss ermüdend wirkten. Einzig die blutjungen Chemnitzer von Kraftklub konnten noch überzeugen und waren ein gelungener Abschluss am Freitag.

Nach einer kalten Nacht hieß der zweite Festivaltag die Brockenrocker mit Regen willkommen. Das nächtliche Bibbern im Zelt ging auf den Campingstühlen weiter. Zum Glück gab es für alle Festivalgänger ein einfaches Mittel gegen die Kälte: tanzen. Viele warteten auf Jupiter Jones‘ Chart-Erfolg Still, stellten jedoch fest, dass die Punkrocker doch nicht so still sind, wie sie es singen.

Bei so vielen Gruppen in so kurzer Zeit bleiben technische Probleme nicht aus. Die jungen Indie-Popper von Beat!Beat!Beat! mussten ihrem Publikum im Zelt mitteilen, dass ihr Auftritt zunächst nicht stattfinden kann. Später wurde er auf der Hauptbühne nachgeholt. Die vier Musiker bedankten sich für die Flexibilität der Organisatoren und bei Supershirt. Das Berliner Elektro-Trio verschob seinen Auftritt zugunsten von Beat!Beat!Beat! nach hinten.

Applaus hierfür, aber auch für den gelungenen Abschluss des fünften Rocken am Brocken, für den Supershirt mit ihrem Konzert sorgten. Die gebürtigen Rostocker gaben viel von ihrem neuen Album preis, das im September erscheint und auf einer Deutschland-Tour unter anderem am 21. Oktober in Mühlhausen präsentiert wird. Schade, dass sich einige der Festivalbesucher schon auf den Heimweg gemacht hatten. Jedoch spricht rein gar nichts dagegen, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Text und Bilder: Martin Zenge