Spillsbury Man merkt: Die kalte Jahreszeit ist im Anmarsch. Nach der Festivalsaison kommt plötzlich wieder eine gute Band nach der anderen auf Clubtour, was mitunter zu einiger Reiserei führen kann. So begab es sich am Tag nach Oasis, dass der Weg weiter nach Bremen führte, um der aktuellen Tournee von Spillsbury einen Besuch abzustatten. Mit einiger Skepsis, was das bis dato nur in Auszügen gehörte neue Album und die Ankündigung eines Live-Schlagzeugers betrifft, machte ich mich mit guter Erinnerung an einen sensationell guten Auftritt beim letztjährigen Lovefield-Festival dennoch freudig auf den Weg nach Bremen. Es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.
Gegen 20 Uhr war der Club noch recht spärlich gefüllt. Bis zum Support-Act um 20:45 Uhr füllte sich der gemütliche kleine Club aber doch noch in dem Anlass angemessener Weise. Der Support-Act sollte gleich eine Attraktion der besonderen Art werden: T-Seven standen auf der Bühne. Wer in den 90er-Jahren ein wenig die Media Control-Charts verfolgt hat (was sich meist ja sowieso nicht vermeiden lässt), mag beim Klang dieses namens etwas im Hinterkopf haben. Richtig: Jene T-Seven, die einst bei den hochkarätigen Klangkünstlern von Mr. President am Werk war. Diese hat sich selbständig gemacht und unter ihrem Künstlernamen eine Punkband gegründet. Solider Punk, der dem Publikum sichtbar Spaß machte und eine glückliche Support-Wahl darstellte.
Nach kurzer Umbaupause betraten Spillsbury dann in ungewohnter Dreierbesetzung die kleine Bühne (nach ihren Angaben die „bisher heißeste Bühne der Tour“) und eröffneten mit dem Album-Opener Eins Zwei Drei – eine etwas aufpolierte B-Seite aus der „Raus“-Zeit. Die Skepsis über das Live-Schlagzeug war bereits beseitigt. Fügt sich gut ein. Weitere Neuerung, die auffiel: Zoe spielt jetzt auch live Gitarre. Alles wunderbare Neuerungen, die der Musik nicht schädlich, sondern ganz im Gegenteil sehr dienlich waren. Es gab eine Melange aus den beiden bisherigen Alben, wobei dem aufmerksamen Zuschauer auffiel, dass jedes mal, wenn der Schlagzeuger die Bühne verließ, ein älteres Stück anstand. Sowohl alt als auch neu wussten das Bremer Publikum zu begeistern und auch zum Rocken zu bewegen. Der spillsburysche ElektroPunk begeisterte nach und nach eine Reihe nach der anderen und ab der Hälfte des Konzerts war die oft festzustellende Bremer Bewegungslegasthenie nicht mehr spürbar. Reife Leistung! Die Band hatte sichtlich Spaß und gab alles.
Neben dem gewohnten ElektroPunk zeigte sich noch eine weitere Neuerung im Schaffen des Trios: Ruhige Stücke. Auch hier das alte Prinzip: Anfängliche Skepsis, die der Begeisterung wich. Auch zu ruhigen Stücken passt Zoes Stimme und die ruhigen Stücke passen besser in das Gesamtbild als anfänglich erwartet.
Nach mehreren Zugaben, die nicht dem Vorhaben der Setlist entsprachen und somit ein weiteres Indiz für die Live-Qualitäten Spillsburys sind, war die Band sichtlich geschafft. Sie spielten solange, bis sie selbst keine Energie mehr hatten. Aber glücklich schienen sie hinterher – wie auch das Publikum. Ein zufrieden stellender Auftritt für alle Beteiligten von einer Band, die auf der Bühne sichtlich Spaß hat und mit Herz bei der Sache ist. Mehr davon!

Homepage: www.spillsbury.de

Text: Marius Meyer