Die Newcomer aus Finnland sind schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Und allem Erfolg zum Trotz kommen die Herren einfach nicht zur Ruhe, sondern sind wieder mit einer ausgedehnten Tour unterwegs. Diesmal gab es auch den Einstand im Haus Auensee in Leipzig. Pünktlich 20 Uhr kam Support-Act Christian Venus auf die Bühne, der mit seiner Band soliden Pop-Rock zum Besten gab und schon mal die Interaktion mit dem Publikum suchte. Ob gewollt oder nicht, die Bassistin erinnerte stark an Charlotte Hatherley (ehemals Ash) und die Musik als solche an eine rockigere Version von Revolverheld. Zu bestaunen war auch die Elvis-Gürtelschnalle des Herrn Venus, der dem King wohl den Hüftschwung nachahmen wollte. Hat nicht ganz funktioniert, aber dem Publikum wurde schon mal gut was auf die Ohren gepackt und das war dann recht ansprechend.

Das Timing wurde auch nach dem Vorprogramm eingehalten und pünktlich um 21 Uhr kamen Sunrise Avenue auf die Leipziger Bühne. Dem Lautstärkepegel zufolge bestand der Hauptteil des Publikums aus Vertretern des weiblichen Geschlechts. Was aber noch lange nicht heißen soll, dass man die Finnen eine „Frauen-Band“ nennen kann. Das Publikum war gut gemischt, auch was das Alter betrifft. Zwischen zehn und 60 schien alles vertreten gewesen zu sein. Einziges Manko war die Zahl. Vor einigen Wochen schien der Kartenverkauf überdurchschnittlich, weswegen man in das größere Haus Auensee umsiedelte. Aber vielleicht war es auch die Tatsache, das Südafrika zur gleichen Zeit England im Rugby Weltmeisterschaftsfinale mit 15 zu 6 besiegt hat: Gutmütig kann man sagen, die Halle war zur Hälfte gefüllt. Doch das hat die Nordmänner nicht gestört. Voller Kraft und nur so vor Selbstbewusstsein strotzend wurde das Album On the way to wonderland zum Besten gegeben. Und das, bis auf ein Lied, wahrhaftig. Neben einigen Anekdoten und den immer gut platzierten deutschen Fachausdrücken fanden leider keine neuen Lieder den Weg auf die Setlist. Obwohl man der Band wahrlich nicht unterstellen kann, das vorhandene Material nicht vollends auszukosten. Lieder wurden herrlich dem energiegeladenen Live spielen angepasst und verändert. Es gab alles vom unendlich langen und tollen Gitarrensolo bis hin zum genialen Drumsolo. Ja, da macht es Spaß, einem Konzert beizuwohnen.
Erwähnenswert sind auch die kreativen Adaptionen von Charthits. Nicht nur Rihanna’s Umbrella wurde einen Refrain lang zum Besten gegeben. Auch das schon zum Repertoire gehörende I’ve been looking for Freedom von David Hasselhoff wurde in die Hirnwindungen gespielt. Klassisch auch Nasty als wirklich letzter Song. Zwei Lieder bei der ersten Zugabe waren ja schon schön, aber noch eine zweite und dann Nasty… Nimmt man gerne!
Alles in allem besitzen die Finnen einen sehr hohen Grad an Professionalität, womöglich sogar schon zu viel davon, wenn man bedenkt, dass sie die deutschen Sphären erst vor wenigen Monaten erobert haben. Gelegentlich wirkte alles zu strukturiert, zu genau geplant. Was den Gesamteindruck aber keinesfalls schmälern soll. Ob mit Akustikgitarre oder mit nach vorne preschenden Drums und kraftvollen E-Gitarren – die Jungs aus dem kalten Norden können einem Publikum ganz schön einheizen. Fazit: Rundum gelungen!

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Rezension zum Album On the way to wonderland

Homepage: www.sunriseave.com
MySpace: www.myspace.com/sunriseave

Text: Katrin Gruhl
Bilder: Marius Meyer