Zum ersten Mal nach den vereinzelten Konzerten im Jahre 2003 waren Tenhi 2007 wieder auf Tour. Nach vier Jahren Bühnenabstinenz spielten sie nun eine Vier-Städte-Tour, die sie nach Auftritten in Berlin, Nürnberg und Koblenz in Leipzig zu beenden gedachten. Dass sie scheinbar sehr vermisst wurden, hat sich schnell gezeigt: Die Schlange am Einlass wurde zusehends länger und der Füllstand der Veranstaltungstonne war später zum Beginn ihrer Darbietung sehr beachtlich. Bevor es Tenhi auf der Bühne zu bewundern gab, spielten im Vorprogramm allerdings erst noch die Labelkollegen von Neun Welten, die mit ihrem naturverbundenen Folk bereits für gute Stimmung sorgten.

Pünktlich und ankündigungsgemäß ging es um 21:00 Uhr mit dem Auftritt von Neun Welten los, die mehr oder weniger ein Heimspiel hatten. Zwar merkte man ihnen in ihren Ankündigungen zwischen den Stücken an, dass sie nervös waren, dies aber verstärkte nur den Eindruck eines sympathischen Auftrittes, der musikalisch durch Spielfreude wie auch durch Professionalität bestechen konnte. Mit der Naturmystik als Hintergrund (im wahrsten Sinne des Wortes sogar – im Hintergrund waren Bilder aus der Natur an die Wand projiziert), spielten Neun Welten mit Akustikgitarre, Flöte, Schlagzeug, Violine und Bass eine Mischung aus Stücken ihres Albums Vergessene Pfade und Material vom neuen Album. Musikalische Schönheit wurde großgeschrieben und der Ausblick auf das kommende Album war sehr viel versprechend. Teilweise waren die Stücke etwas „schmissiger“ als auf dem Vorgänger, was dem Klang Neun Weltens durchaus stand. Folglich wurden Neun Welten mit gebührendem Applaus verabschiedet.

Es folgte die obligatorische Umbaupause, bevor Tenhi vor einer inzwischen sehr gut gefüllten Veranstaltungstonne ihr „Folk Aesthetic“-Programm begannen. Was sogleich auffiel: Es stand weder ein Schlagzeug auf der Bühne noch war irgendein Tasteninstrument dort zu sehen. Das Konzept wurde schnell klar: Außer Saiteninstrumenten gab es auf der Bühne keine weiteren Instrumente. Drei Gitarren, ein Bass und eine Geige waren alles. Und das hat auch gereicht, um die Moritzbastei zu verzaubern. Es gab nicht viel Bewegung auf der Bühne, das war allerdings auch gar nicht nötig, denn es war eine Freude, den Musikern in ihre Arbeit vertieft zuzusehen, wie sie einen Auftritt hinlegten, der in Sachen Atmosphäre seinesgleichen sucht. Es ist wirklich selten, dass in der Moritzbastei eine solch andächtige Stille herrscht, wie Tenhi sie geschaffen haben. Auch die Schlagzeug- und Pianodominierten Stücke wie beispielsweise das Material aus Airut:Aamujen wurde erfolgreich auf das Saitenkonzept umarrangiert und erreichte die Gänsehaut auch in dieser instrumententechnisch gesehen komplett anderen Variante. Weit über eine Stunde schafften sie es, diese Atmosphäre zu halten und das Publikum damit zu begeistern. Ein wirklich beeindruckender Auftritt, der gezeigt hat, dass der Veranstaltungsort vollkommen zu Recht so gut gefüllt war!

Was zurückbleibt ist die Erinnerung an einen wirklich schönen Konzertabend mit über zwei Stunden lohnenswerter und hochwertig dargebotener Musik. Bei einem Eintrittspreis von zehn Euro (beziehungsweise acht Euro für Studenten) hat außerdem auch definitiv das Preis-/Leistungsverhältnis gestimmt. Bleibt zu hoffen, dass Tenhi sich nicht wieder vier Jahre Pause gönnen, bevor sie das nächste Mal die Bühnen beehren.

Homepage von Tenhi: www.tenhi.com
Tenhi bei MySpace: www.myspace.com/tenhiband
Homepage von Neun Welten: www.neunwelten.de
Neun Welten bei MySpace: www.myspace.com/neunwelten

Text: Marius Meyer
Bilder: PR