Wie beginnt man einen The BossHoss-Livebericht so, dass es nicht nach ausgelatschten Phrasen im Zusammenhang mit dieser Band klingt? Am besten, man versucht es nicht erst, denn auch an diesem Abend muss man sich wundern, wie weit diese Band es gebracht hat. Diese Band, die einst als Mode-Erscheinung tituliert wurde. Weit gefehlt, denn auch nach so vielen Jahren folgen die Cowboy-Hüte eifrig ihrer Lieblingsband – und es geht immer weiter nach oben: Denn auch, wenn man schon vor Jahren davon überzeugt war, dass hier mehr als eine Mode-Erscheinung vorliegt – dass das später mal mit gleich zwei Orchestern in Örtlichkeiten wie das Leipziger Gewandhaus führen wird, das konnte nun wirklich keiner ahnen. Dass das so gut funktioniert, vermutlich noch weniger…

Die gediegene Atmosphäre des Gewandhauses zeigte sich bereits vor Konzertbeginn schon auf der Bühne: Kleine Tische mit Stehlampen draufstehen und neben dem obligatorischen Bier auf einmal auch Rotwein waren die unüblichen Accessoires, die das erste Konzert der Band im Jahr 2010 über den Abend begleiten sollten. Und das begannen sie dann um kurz nach acht erst einmal auf ganz klassische Weise: Mit Polk Salad Annie als Opener spielten sie zunächst einmal nur als The BossHoss, bevor danach erst unter Applaus die Fabulous Babelsberg G-Strings und die Tijuana Wonder Brass die Bühne enterten und die zahlreichen noch freien Plätze einnahmen.

Es zeigte sich schnell, dass man hier nicht nur zwei Orchester dabei hatte, um die Musik durch ein paar Streicher und Bläser im Hintergrund aufzumöbeln, sondern dass man die Arrangements dem besonderen Anlass anpassen wollte. Rodeo Queen beispielsweise gewann durch die Streicher-Passagen viel an Atmosphäre. Oder auch Mary Marry Me, das sich von der bloßen Akustik-Gitarre hin zum gesamten Orchester steigerte. Die Orchester bekamen dabei genug Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Herauszuheben sind hier vor allem einige Solo-Passagen: Bei High gab es gleich ein komplettes Solo vom Bariton-Saxofon. Zum Schluss des Hauptteils wurde in der Hinsicht ein wahres Highlight geboten: Zu Stallion Battalion spielten die BossHoss-Mundharmonika und die Tijuana Wonder Brass-Trompete „gegeneinander“ um die Gunst des Publikums, bevor der Hauptteil beendet wurde.

Da bereits während Stallion Battalion alle standen, war zum Zugabe-Verlangen kein Aufstehen mehr nötig – und auch als diese gewährt wurde, setzte sich keine mehr hin. Zu Shake & Shout kamen auch die Bläser wieder auf die Bühne und in typischer BossHoss-Manier kamen Tänzerinnen aus dem Publikum auf die Bühne, die anschließend mit Küsschen verabschiedet wurden. Das anschließende Jesus Built My Hotrod dürfte als einer der kuriosesten Gewandhaus-Momente in deren Geschichte eingehen: Wann läuft schließlich schon mal jemand mit Megafon vor dem Mikro durch den Zuschauerbereich des Gewandhauses? Kein Wunder also, dass auch eine zweite Zugabe ran musste. Obgleich viele mit dieser nicht gerechnet hatten und sich die Reihen schon lichteten, wurde der Abend anschließend mit Close und Say A Litltle Prayer nach zwei Stunden dann beendet.

Nach diesem Abend muss man sagen: Von dieser Tour wäre eine DVD sehr begrüßenswert. Denn tatsächlich erlebt man Abende wie diese höchstselten. The BossHoss passten gut mit den Orchestern zusammen, rockten trotzdem gewaltig und ließen auch die typischen BossHoss-Momente nicht vermissen. Auch im Gewandhaus darf schon mal die Bierflasche als Slide für die Gitarre herhalten oder auch ans Publikum verschenkt werden. Die altbekannte Thanx-Gitarre (einfach Umdrehen und schon hat man sich für den Applaus bedankt), Tänzerinnen auf der Bühne und all das gaben dem BossHoss-Publikum genau das, was es wollte. In diesem Fall lässt sich aber guten Gewissens ergänzen: Und noch viel mehr!

Setlist: Polk Salad Annie, Remedy, Rodeo Radio, Monkey Business, Rodeo Queen, Have Love Will Travel, Gay Bar, Break Free, Last Day, High, Early Morning Rain, Drowned In Lake Daniels, Sugarman, This Corrosion, Go! Go! Go!, Mary Marry Me, Stallion Battalion
Zugabe 1: Shake & Shout, Jesus Built My Hotrod
Zugabe 2: Close, I Say A Little Prayer

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Homepage: www.thebosshoss.com
MySpace: www.myspace.com/thebosshoss

Text: Marius Meyer