Das soll es also wirklich gewesen sein: Ein letztes Mal ging Wayne Hussey mit seinen Mannen von The Mission auf große Tour. Als Anlass: Der Abschied. Ein trauriger Anlass also, wo die Band gerade in diesem Jahrtausend begonnen mit dem Album AurA noch einmal ungeahnte Erfolge verbuchen konnte und nicht den Hauch von Ermüdungserscheinungen zeigte. Zum letzten Mal also sollte es noch einmal vier Termine in Deutschland geben, wovon einer am 23.02.2008 in Dresden angesetzt war, wo die Band gut zwei Stunden lang das Publikum bestens unterhielt.

Vier Daten mögen zwar zunächst mager für einen Abschied klingen, betrachtet man aber das Gesamtprogramm der Tour, so sieht dies eher nach Schwerstarbeit aus: Vor Deutschland spielte die Gruppe bereits in Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Kroatien, Ungarn und Österreich. Dennoch gab es zu keiner Zeit so etwas wie ein Standardprogramm – ein Vergleich der Setlisten zeigt, dass jeder Abend individuell gestaltet wurde, so dass man auch für Dresden nicht wusste, was einen erwarten wird. Bevor diese Frage aber geklärt werden konnte, betrat um kurz vor neun erst einmal der Supportact Dead Guitars die Bühne.

Unter dem Namen Dead Guitars veröffentlichten sie zwar im vergangenen Jahr ihr Debütalbum Airplanes, dennoch sind die Musiker alles andere als unbeschriebene Blätter: Gitarrist Pete Brough beispielsweise ist seit über 20 Jahren aktiv und spielte unter anderem mit Twelve Drummers Drumming, während Sänger Carlo van Putten lange mit The Convent unterwegs war. So erklärt sich auch der neben aller sichtbarer Spielfreude sehr routiniert und professionell wirkende Auftritt, den die Dead Guitars in Dresden ablieferten. Melancholischer Wave-Rock mit deutlichem Gothic-Einfluss wurde im getragenen Tempo präsentiert, das Gefühl und die Emotion standen deutlich im Vordergrund. Auf einer Länge von rund 30 Minuten spielte die Gruppe fünf Stücke, die mit Ausnahme von Silver Cross von ihrem Album Airplanes stammten. Ein wirklich gelungener Auftritt, der gut in den musikalischen Rahmen des Abends passte und die Vorfreude auf den Hauptact erhöhte, ohne dabei bloß als Beiwerk zu erscheinen. Wer hier zu spät kam, hat auf jeden Fall etwas verpasst.

Setlist Dead Guitars: Name of the Sea, Crumble Zone, Silver Cross, This Was A Year, Crash

Trotz aller Qualität: Die Dead Guitars spielten vor einer zwar gut sichtbaren, nichtsdestotrotz aber noch ausbaufähigen Menschenmenge. Als eine weitere knappe halbe Stunde später The Mission die Bühne betraten, füllte es sich im Beatpol aber doch noch gut und man könnte meinen, es lag am Rauchverbot, dass die Anzahl der Zuschauer sich zuvor noch in Grenzen hielt. Als dann die Gruppe um Wayne Hussey die Bühne betrat, war aber wohl auch die letzte Zigarette aus und mit Amelia aus dem Carved in Sand-Album wurde das Set eröffnet, gefolgt von Hands Across the Ocean. Fabienne und Wing and a Prayer bewiesen dann im folgenden auf der einen Seite, dass The Mission ihr Handwerk in Sachen eingängiger, gefühlvoller und treibender Gothic Rock nach wie vor verstehen und zeigten auf der anderen Seite auch die offensichtliche Begeisterung des Publikums, das sichtbar mitging und sich dabei textsicher zeigte. Diese Textsicherheit bewies auch der folgende Klassiker Butterfly on a wheel – eindrucksvoll dargeboten, ohne eine Spur von Abnutzungserscheinungen. Wäre das Eis nicht schon längst gebrochen gewesen, spätestens hier wäre es soweit gewesen. Stattdessen begann es nun zu schmelzen.
The Mission spielten sich auch danach durch ein Programm von Stücken vornehmlich der 80er an der Grenze zu den 90ern. Nach Stücken wie Wishing Well und Kingdom Come wurde zum Ende des regulären Sets noch einmal richtig aufgedreht: Als vorletzten Titel spielte die Gruppe Wasteland in einem Tempo, bei dem man sich wunderte, dass das überhaupt möglich ist. Das Publikum – vom Tempo ungestört – war aus dem Häuschen und sang und tanzte nach wie vor begeistert mit. Genau die richtige Zeit also für eine weitere Hymne der Band: Deliverance. Eigentlich hätte Wayne Hussey hier gar kein Mikrofon gebraucht. Im Chorus ließ er folglich das Mikrofon auch einfach Mikrofon sein und ließ das Publikum wie gewohnt den Text singen. Während das Publikum weiter sang, verließ die Band nun nacheinander die Bühne. Glücklicherweise nur vorläufig und noch nicht endgültig. Insgesamt drei Zugabenblöcke gab es noch zu hören und sehen (zweimal drei und einmal ein Stück). Stand der erste Block mit Black Mountain Mist, Mr. Pleasant und Bird of passage eher unter ruhigen bis heiteren Vorzeichen, so wurde mit Like a hurricane, 1969 und Shelter from the storm im zweiten Teil noch einmal definitiv Rock gespielt. Besonders an dieser Zugabe aber war nicht nur die Musik, sondern auch die Tatsache, dass Wayne Hussey hier das Paar, dessen Heiratsantrag er bereits im Vorfeld des Sets kurz vermittelte, auf die Bühne bat und somit diesen Heiratsantrag noch einmal für alle Anwesenden sichtbar machte und somit auch dessen Verbindlichkeit nochmals unterstrich. So etwas sieht man nicht alle Tage – und es macht den Konzertabend aus noch einem weiteren Grund zu einem einzigartigen Erlebnis.

Nachdem als dritte Zugabe der obligatorische Tower of Strength gespielt wurde, war endgültig Schluss. Für diesen Abend, für dieses Konzert, leider auch für immer (von den paar Restkonzerten der Tour einmal abgesehen). The Mission unterstrichen an diesem Abend noch einmal, wie schade dieser Abschied eigentlich ist, boten aber gleichermaßen auch einen mehr als würdigen Abschied und zeigten sich für ihr Publikum in den gebotenen zwei Stunden noch einmal in Höchstform. Wie schade, dass ein „gerne wieder“ an dieser Stelle so gänzlich unangebracht wäre…

Setlist The Mission: Amelia, Hands Across the Ocean, Fabienne, Wing and a Prayer, Butterfly on a wheel, Heat, Wake, Wishing Well, Kingdom Come, Sacrilege, Wasteland, Deliverance
Zugabenteil 1: Black Mountain Mist, Mr. Pleasant, Bird of passage
Zugabenteil 2: Like a Hurricane, 1969, Shelter from the storm
Zugabenteil 3: Tower of Strength

Links
Homepage von The Mission: www.themissionuk.com
The Mission bei MySpace: www.myspace.com/themissionuk
Homepage von Dead Guitars: www.deadguitars.com
Dead Guitars bei MySpace: www.myspace.com/deadguitars

Text und Bilder: Marius Meyer