Nachdem der Weg auf die Burg wahlweise mit Auto/Taxi und Fußmarsch oder Seilbahn und etwas weniger Fußmarsch überstanden war, zeigte sich gleich, dass das Zwischenwelten-Festival dieses Jahr einen ungeahnt hohen Publikumszuspruch bekommen sollte. Wie sich hinterher herausstellte, hatte es dieses Jahr 1600 Besucher, was auch prompt die Schlange am Einlass zeigte. Hatte man diesen überwunden, konnte man endlich in das schöne Gelände inmitten der Festung gelangen, wo zwischen zwei Mauern auf einer schönen Wiese auch die Bühne aufgebaut war. Nach und nach kamen nun die Leute auf das Gelände und vor der Bühne versammelte sich eine bereits recht ansehnliche Schar für Nocte Obducta, die allerdings nicht wie geplant um 16:30 Uhr anfangen konnten, da es einige Probleme beim Aufbau gab, die dafür sorgten, dass das Set erst um etwa 17:00 Uhr beginnen konnte. In der halben Stunde Verzug füllte sich die Zuschauerschar noch weiter, so dass Nocte Obducta als Opener schon eine beachtliche Zuschauermenge hatten. Sie spielten eigenen Angaben zufolge das erste mal seit über sieben Jahren wieder als Opener – dies hängt wohl vor allem mit der Musik zusammen, da sie für das Festival doch relativ hart waren – auch vom Gesang her. Den Zuschauern schien dies aber zu gefallen und die Menschen waren begeistert von Nocte Obductas Kompositionen über Nachtschattenprinzessinnen und Mittsommernachtsschatten, die thematisch durchaus zur Umgebung passten. Leider musste die Band ihr Set etwas kürzen, was als ein durchaus fairer Schachzug gegenüber den nachfolgenden Gruppen zu bewerten ist.
Setlist: Intro, Anis, In einem Mittsommernachtsschatten, Galgendämmerung, Glückliche Kinder, Der Regen, Taverne, Prinzessin der Nachtschatten, Operation: Traumreise, Solange euer Fleisch noch warm ist

Trotz des vorgezogenen Schlusses von Nocte Obducta brachte die folgende Umbaupause weitere zehn Minuten Verzug, bevor Chamber die Bühne betreten konnten. Sie selbst bezeichneten sich als “das Kontrastprogramm des heutigen Abends”, was die Instrumentierung auch so anmuten ließ: Mit Celli und Geigen bewaffnet begann das Set relativ ruhig, wurde aber im Laufe des Konzerts auch immer wieder sehr treibend und mitreißend. Somit hatten Chamber bereits am frühen Abend die Masse so ziemlich im Griff. Die Mischung aus klassischer Instrumentierung und treibender Musik mit teils folkigem Einschlag machte Lust auf mehr. Neben besungenen Gefühlen wie in “Solitude” und “I hate falling in Love” gab es auch viel Spaß auf der Bühne zu erleben, den man der Formation ansah. Gegen Ende des kurzweiligen Sets gab es noch eine stark bejubelte Coverversion von Rammsteins “Engel”. Die geforderte Zugabe konnte leider aus Zeitgründen dann nicht mehr gegeben werden.
Setlist: Miles Away, Sleep Sweet Sleep, Moonchild, In My Garden, Solitude, A Dead Man´s Song, Ceremony, After A Fire-Raid, Torn, I Hate Falling In Love, Hometown, Conversation, Engel

Es folgte eine weitere aufwendige Umbaupause. Janus sollten einen ihrer doch relativ seltenen Live-Auftritte absolvieren. Wie die versammelte Menge vor der Bühne zeigte, sind Janus gefragt – es war sehr voll. Zurecht. Janus zeigten sich in Höchstform und boten Musik, die zwar hart war, aber dabei sehr melodiös und eingängig. Der Begriff Schwermut ist bei Janus sehr zutreffend gewählt. Der Härte der Musik und der Stimme von Sänger RIG wurde durch die Sängerin immer wieder ein weiblicher Gegenpart gesetzt, der die Musik positiv anreicherte und vor allem in “Saitenspiel” absolut zu überzeugen wusste. Inhaltlich ging es um teils sehr “düstere” Themen, wie zum Beispiel in “Neuroleptika” und “Mein krankes Herz”, die von der Mimik RIGs beeindruckend untermauert wurden. Insgesamt wohl der stärkste Auftritt des Abends – Tiefgang gepaart mit mitreißender Musik, die ein sehr begeistertes Publikum hinterließ.
Setlist: Wenn du vor mir stehst/Paulas Spiel, Verflucht, Ich will seinen Kopf, Kafka, Saitenspiel, Überleben, Hotel Eden, Mein krankes Herz, Neuroleptika, Auferstehung/Schwarzer Witwer

Nach einer diesmal etwas kürzeren Umbaupause konnten mit etwas weniger Verzug dann The Vision Bleak auf die Bühne… Diese präsentierten ein überraschend hartes Set mit Stücken aus ihren beiden bisher erschienenen Alben. Der Lautstärkepegel auf der Burg hatte sich bei The Vision Bleak deutlich erhöht und wer zu nah an einer der Boxen vor der Bühne stand, wurde vermutlich am nächsten Tag nach dem Aufstehen von einem freundlichen Pfeifen im Ohr begrüßt. Die Band spielte bleich geschminkt im Metal-Look und begeisterte das Publikum mit ihrer für dieses Festival recht harten Musik, die auf der Bühne einiges härter erschien als auf ihren Veröffentlichungen. Das Set der Band wirkte relativ kurz, was vielleicht auch damit zu tun hatte, dass nach wie vor der Zeitplan nicht wieder gerade gerückt war. Auf jeden Fall eine nette Geste gegenüber dem folgenden Headliner des Abends.

Nachdem es nach The Vision Bleak gelungen war, den Verzug wieder deutlich zu verkürzen, konnten beinahe pünktlich die Headliner des Abends die Bühne betreten. Schandmaul waren an der Reihe. Mit allerlei Instrumentarium bewaffnet präsentierte die Band ihre eigene Vision von Mittelalterrock. Neben dem klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug tauchten auch verschiedenste Flöten, Dudelsäcke, verschiedenartige Trommeln und manch anderes auf. Mit alldem gelang es Schandmaul, eine lebhafte Liveshow zu zeigen, die zwar durchaus zeigte, dass die Band durch die ganze Tourerfahrung Routine dabei hat, dadurch aber keineswegs die offensichtliche Spielfreude der Band verdecken konnte. Dass die Musikrichtung der Schandmäuler in der heutigen Zeit sowieso ein Selbstläufer ist, ist sicherlich kein Geheimnis – hoch erfreulich ist es dabei, dass Schandmaul den Beweis liefern, dass man auch in diesem Genre noch frisch klingen kann. Ein runder Auftritt, der hoffen lässt, dass bei Schandmaul so schnell nicht der Abnutzungsprozess einsetzen wird.
Setlist: Dudelzack, Teufelsweib, Letzte Tr�te, Schatz, Seemannsgrab, Dein Anblick, Vogelfrei, Hexen/Henker/Gebt8, Herren der Winde, Hofnarr, Das Tuch, Tyrann, Letzter Tanz, Walpurgisnacht
Zugabe: Geisterschiff, Kalte Spuren

Wer nach den Konzerten noch nicht müde war und das Bedürfnis hatte, den gelungenen Abend noch ein wenig zu feiern, hatte die Möglichkeit, beim anschließenden DJ-Set von DJ ASP ein wenig zu feiern. Zwar war die Tanzfläche nicht immer so gut gefüllt, dafür stand die Gemütlichkeit nach stundenlangem Stehen bei den fünf Bands im Vordergrund. Es gab ein elektrofreies Set mit Klängen im Spektrum von Gothic, Alternative, Mittelalter und Metal zu hören, bis um drei Uhr nachts dann Schluss war und auch die letzten Besucher des Festivals das Gelände verlassen mussten.

Insgesamt war das Festival sehr gelungen und sicherlich ein Lichtblick der Festivallandschaft. Eine gelungene Abwechslung neben den großen Festivals auf einem sehr schönen Gelände. Wer zwischendurch mal etwas anderes sehen wollte hatte auf der Festung genug zu sehen. Allein der Ausblick auf das Deutsche Eck war lohnenswert. An diesem Ausblick war auch gleich ein Restaurant gelegen, über das viele sehr dankbar gewesen sein dürften, da das Festival-Gelände bloß einen Ess-Stand zu bieten hatte (plus einen Brezel-Verkäufer, der selten gesehen wurde). Dies erklärt wohl auch den Hilferuf des Veranstalters, der auf der Festival-Website im Vorfeld nach Ständen gesucht hat. Dies ist sicherlich für das nächste Jahr genauso verbesserungswürdig wie die Situation, was die sanitären Anlagen betrifft, hier hätte es ruhig einige Möglichkeiten mehr geben können.

All dies sind aber eher Kleinigkeiten. Insgesamt war das Festival eine runde Sache zu einem fairen Eintrittspreis, die geradezu nach einer Wiederholung im nächsten Jahr ruft.

Besucher

Text: Marius Meyer
Foto: Stephan Ramke