Lasso soll also das neue Werk von 2raumwohnung heißen. Lasso? Warum muss man da sofort an so unangenehme Gestalten wie Olaf Henning oder Michael Wendler? Wahrscheinlich, weil diese Personen die Cowboy-Thematik auch schon für ihre Bierzeltmusik ausgereizt haben. Aber zum Glück haben wir es hier ja nicht Schlagertechno zu tun, sondern mit 2raumwohnung, die nicht nur musikalisch weitaus hochwertiger sind, sondern auch in ihren Texten deutlich subtiler und feingeistiger vorgehen, als diese Herren bei ihren Cowboy-Spielchen und einen dabei mit ihrem fünften Album wieder mal zu fesseln wissen, wie es die bereits erschienene Singleauskopplung Wir werden sehen angedeutet hat.

Diese überzeugte schon mit mediterranen Rhythmen und feurigem Text. Apokalyptisch kommt dagegen das erste Lied des Albums Der letzte Abend auf der Welt daher mit rituellem Getrommel, Kindergeschrei, wobei der Text die „Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzter“-Thematik aufgreift.

Ohnehin sind die Texte von Symbolik und Metaphern durchzogen – wie beim Titel gebenden Stück Lasso, das vom Erobern des weiblichen Geschlechts, das mit viel Anstrengung verbunden ist und nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein muss. „Halt dich fest, weil sich nicht jedes Pony reiten lässt… Du weißt, wie weit man reiten muss…“. Allerdings ist der Sinn hinter den Lyrics nicht immer so leicht zu entziffern wie bei diesem Stück. Meist wird einfach mit losen Assoziationen gearbeitet, die erst zusammen wie ein Mosaik die Thematik des jeweiligen Liedes entfalten, wie bei Alles aus, welches das Ende einer Beziehung thematisiert und dort den Moment des Schlussmachens ebendieser mit Bildern wie „Der Fluss hört kurz auf zu fließen, Soldaten hören kurz auf zu schießen..“ beschreibt. Die Zeit friert für einen selber ein und man fokussiert nur noch sich selbst und alles andere rückt in den Hintergrund.

Bei Body is Boss, welches über die Selbstüberzeugung – oder besser -überschätzung – von selbst ernannten Frauencheckern herzieht und diesen Leuten eigentlich nur genau das erzählt, was sie hören wollen, bis das Lied dann dieses Selbstbild langsam aber sicher in seine Einzelteile zerlegt. Sehr kitschig wird es dagegen zum Schluss mit Angel of Germany, welches die CD ausklingen lässt. Zwar war Kitsch auch immer ein Teil Musik von 2raumwohnung, aber dieses Lied hätte man nicht unbedingt gebraucht, da es nicht auf das sonst in sich konsistente Album passen will.

Wie gewohnt treffen Gitarren auf elektronische Klänge und auf den zuckersüßen Gesang von Inga Humpe, wobei die mitunter gehässigen Texte wieder mal für eine schön sarkastische Note sorgen. Zwischendurch sind immer mal wieder ein Klavier oder Streicher zu hören, die die jeweiligen Lieder schön untermalen. Musikalisch bewegt man sich ansonsten wie gewohnt im Siebziger Jahre-Futurismus. Somit ist auch das fünfte Album der Band wieder ein gelungenes Werk geworden, das seine Fans fesseln wird.

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News: 2raumwohnung: Die neue Single “Wir werden sehen”

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Text: Tristan Osterfeld