Rezensionen & Tonträger Marius, 10.06.2006
Aidan Baker – The sea swells a bit…
Ein Blick auf die Titelliste der CD verwundert eingangs schon etwas: Zwar handelt es sich hierbei um ein Album, jedoch finden sich auf der Innenseite des schicken DigiPaks bloß drei Titel vermerkt. Schaut man sich dann die Längen der einzelnen Titel an, wird einem einiges klar – diese drei Titel bringen es zusammen auf eine Spielzeit von guten 54 Minuten. Der kanadische Songschreiber Aidan Baker hat alle drei Titel dieser CD im Alleingang aufgenommen. Im Endergebnis ist diese CD vor allem eins: Ziemlich ruhig. Da es nur drei Titel sind, die man auf der Scheibe vorfindet, bietet es sich an, diese jeweils separat kurz zu beleuchten.
Das Titelstück The Sea Swells A Bit evoziert tatsächlich ein Bild im Kopf, das an einen leicht schwellenden erinnert. Auf einer Länge von 21 Minuten konstruiert Baker einen Klangteppich, der mehr oder weniger vor sich her wabert. Sphärische Flächen mit sich aufwärts und abwärts wandernden Klangbewegungen – alles in Zeitlupe, dazu einige teils beunruhigende Rhythmen, die leise im Hintergrund zu vernehmen sind. Der See ist in Bewegung – aber in einer sehr langsamen. Zusätzlich scheint er eine magische Aura zu besitzen…
Das zweite Stück When Sailors Die hat mit seinen 17 Minuten ebenfalls eine ziemliche Überlänge. Es ist zwar auch ein sehr ruhiges Stück, aber hat schon etwas mehr Bewegung zu bieten als sein Vorgängerstück. Über wiederum sehr sphärischen Klängen finden sich langsame Melodieverläufe. Dazu wird das Stück konsequent von trommelnden Rhythmen begleitet, die das ansonsten eher ambient anmutende Stück in Richtung Ethno gehen. Teilweise ist man ein wenig an In The Nursery erinnert – mit etwas mehr Fantasie erinnert das Stück auch entfernt an die Drogenexzesse der frühen The Verve um 1993. Spannend!
Auch das dritte und letzte Stück Davy Jones’ Locker ist mit seinen 16 Minuten deutlich länger, als man es von einem normalen Musikstück gewohnt ist. Es betritt das gleiche Fahrwasser wie das zweite Stück der CD, hat dabei aber eine entschlossener gespielte Percussion zu bieten. Außerdem tritt die E-Gitarre hier stärker in den Vordergrund, indem sie verträumt Melodieläufe spielt. Zwar ist die E-Gitarre insgesamt ein wichtiges Werkzeug in der Musik Aidan Bakers, aber bisweilen ist sie so verfremdet, dass sie kaum als solche vernehmbar ist. Hier hört man sie heraus. Dazu bereichern auch Flöten das Klangspektrum dieses Stückes.
Im Gesamteindruck hat man hier eine an sich spannende Veröffentlichung, auf der es viel zu entdecken gibt, was einem in der Form – zumal so hochwertig musikalisch aufgearbeitet – selten begenet. Offensichtlich ist diese Veröffentlichung aber an eine kleine Minderheit gerichtet. Wer es schafft, sich solch gearteter Musik zu öffnen, wird seine Freude an diesem Tonträger haben – viele dürften aber am ehesten Langeweile beim Rezipieren dieser CD verspüren. Von einem Annäherungsversuch ist aber keinesfalls abzuraten!
Internet: www.aidanbaker.org

Text: Marius Meyer