Rezensionen & Tonträger Marius, 24.06.2007
Alcest – Souvenirs d’un autre monde
Manchmal gehen Reifeprozesse erstaunlich schnell. Im Jahr 2005 feierten Alcest mit ihrer Mini-CD Le Secret einen kleinen Achtungserfolg in der Black Metal-Szene, bloß zwei Jahre später zeigen sie sich deutlich gereift und präsentieren mit Souvenirs d’un autre monde ein Album, das den Black Metal-Kinderschuhen fast gänzlich entwachsen ist. Zwar begegnen immer noch verzerrte Gitarrenwände, diese betten sich aber in eine ganz andersartige Musik ein. Sehr melodiös geht es zu, innerhalb eines Rahmens von oftmals härterer Rockmusik, deren Härte sich aber spätestens dann wieder in Gefühl umwandelt, wenn der Gesang vernehmbar wird. Ruhige Passagen begegnen, die Reihe der Emotionen ist groß und trotz der Überlänge der Stücke wird die Reise nicht langweilig.
Warum Reise? Betrachtet man den Albumtitel, könnte es dämmern: Souvenirs aus einer anderen Welt lautet übersetzt der Titel. Wie vielseitig diese Welt ist, beweist Neige – der kreative Kopf hinter Alcest – durch die Vielseitigkeit der Klänge auf diesem Debütalbum. Zwar finden sich nur sechs Stücke auf der Veröffentlichung, diese spielen sich jedoch alle in einem zeitlichen Rahmen von sechs bis acht Minuten ab. Und diese Zeit ist für die Entfaltung der musikalischen Visionen von Alcest auch notwendig. Auf der einen Seite bauen sich breitwandige Gitarrenklänge auf, die jedoch keinerlei Bedrohlichkeit ausstrahlen und bei Einsetzen des Gesangs klar auf das Gefühl setzen, auf der anderen Seite begegnen auch immer wieder diese ruhigen Passagen, die durch gezupfte Gitarren glänzen, sanft getragen werden und teils durch Bass oder Piano ergänzt werden.
Sur l’autre rive je t’attendrai ist ein gutes Beispiel. Auch hier „sägen“ die Gitarren, das Schlagzeug treibt voran und doch ist die inneliegende Harmonie klar vernehmbar. Das Tempo ist getragen, aber nicht langsam und auch das Gitarrensolo bettet sich hier prima ein, bevor der Sturm sich legt und die Wellen in Form den gezupften Gitarren wiederkommen. Die Wellen sind hierbei nicht nur bildlich zu verstehen, sondern begegnen auch in Form von Geräuschen ebendieser. Vor allem signalisieren diese nach fünf Minuten, dass auf das eigentliche Stück noch eine knapp zweiminütige Coda folgt, bei der sich auf die Wellen erneut gezupfte Gitarren aufbauen, bis das Stück noch einmal an Schwung gewinnt und gar einen leicht folkloristischen Anstrich bekommt, der hier an die Labelkollegen von Tenhi erinnert. Im Fahrwasser dieses Titels spielen sich auch die anderen Stücke ab und heben dabei stets unterschiedliche Facetten des Schaffens von Neige heraus.
Eine Einordnung fällt bei diesem Werk sehr schwer. Black Metal ist es ganz sicher nicht. Rockmusik mit einem symphonischen Einschlag und viel Gefühl würde es eventuell treffen. Was feststeht ist, dass Alcest im Hause Prophecy Productions genau richtig aufgehoben sind, ist es doch mal wieder eine wirklich innovative Veröffentlichung, die hier das Licht des Tonträgermarktes erblickt. Hörer von Rock, Metal und Folk können hier gleichermaßen durchaus probehören und auch der ansonsten geneigte Indie-Rock-Hörer (als Referenzname sei hier einfach mal Sophia genannt) darf ruhig einen Versuch wagen. Die Inkorporation verschiedenster Stile ist hier auf jeden Fall eindeutig als gelungen zu betrachten!
MySpace: www.myspace.com/alcestmusic
Label-Homepage: www.prophecy.cd

Text: Marius Meyer
25 Jun 2007, 9:33 am 1.sebastian…
gutes review, gutes album