Rezensionen & Tonträger Tristan, 26.02.2007
Allerseelen & Sangre Cavallum - Barco do Vinho
Im Neofolk-Genre erfreut es doch immer, wenn sich Gruppen Themen annehmen, die nicht schon von vielfach aufgegriffen wurden. Barco do Vinho ist so ein Beispiel. Allersellen und Sangre Cavallum nähern sich hier dem Thema Wein an. Allein das edle DigiPak macht Lust auf die Split-CD: Auf der Vorderseite ist ein altes Foto eines eben jener Weinboote – einer Barco do Vinho – zu sehen, die den Wein in Portugal über den Fluss Douro zum Exporthafen in Porto brachten.
Man merkt schon an der Verpackung: Dem Wein wird hier nicht aufgrund seiner berauschenden Wirkung ein Denkmal gesetzt, sondern aufgrund seiner Erhabenheit – als Göttertrank, als Blut der Erde. Ein Produkt, vielleicht ein Stück Kunst, das von Winzern mit Liebe und Arbeit hergestellt wird, wo doch heute industriell gefertigter Wein im Supermarkt für unter drei Euro zu haben ist. Unter diesem Aspekt gesehen ist so ein Album eine schöne Sache.
Nur hapert es an der Umsetzung: Warum sich ausgerechnet Allerseelen diesem Thema annehmen mussten, bleibt mir schleierhaft. Die elektronischen Klänge Allerseelens schaffen es einfach nicht, dem handwerklich hergestellten Rebensaft in irgendeiner Form gerecht zu werden. Unweigerlich muss man bei Gerhards Liedern an eben jenen Industriewein denken, dem wohl mit diesem Splitalbum eine Absage erteilt werden sollte. So wirken die Beiträge von Allerseelen doch deplaziert und unfreiwillig komisch. Schade drum!
Sangre Cavallum kommen aufgrund seiner akustischen und erdigen Klänge dem Thema doch deutlich näher. Wer aber die Patria Granitica sein eigen nennt, wird keine Überraschungen erleben. Einzig das zehnminütige Rabello macht wirklich Lust auf mehr.
Ich habe selten eine CD erlebt, die nicht aufgrund ihrer Qualität, sondern aufgrund der musikalischen Ausrichtung der Gruppe eine Bauchlandung macht. Kein Lied ist wirklich schlecht. Gerade der Weinwalzer macht wirklich Spaß und sobald Sangre Cavallum loslegen kommt doch Stimmung auf. Jedoch haben die Portugiesen auch schon besseres abgeliefert.
Lustig ist auch eine Anektote zu der limitierten Box der Split-CD: Geplant war, dass in dieser zwei Flaschen Wein enthalten sein würden. Letzten Endes schaffte es aber nur eine Flasche in die Box. Und was für ein Wein ist darin? Ein Italienischer, was bei den portugiesischen Sangre Cavallum und Allerseelen auf Österreich doch etwas grotesk wirkt.
Was bleibt, ist eine Split-CD mit einem interessanten Konzept, dem aber eine Gruppe leider nicht gerecht werden kann. Man sollte nicht zusammenbringen, was nicht zusammen gehört…

Text: Tristan Osterfeld