Rezensionen & Tonträger Tristan, 04.02.2010
Amestigon - Sun of all Suns
Wieso musste man eigentlich so lange warten, bis endlich das Debüt-Album der Band Amestigon erschienen ist? Denn außer zwei EPs und zwei Split-Alben war vor der Band bislang kaum was zu hören, obwohl die Band bereits seit dem Jahr 1993 existiert. Sehr ungewöhnlich also, dass es so lange gedauert hat. Und deswegen war es auch höchste Zeit, dass endlich in Form von Sun of all Suns der erste Longplayer dieser Band erscheint. Aber Gott sei Dank ist es nicht so als, hätte sich das Warten nicht gelohnt – ganz im Gegenteil wartet ein mehr als gelungenes Black Metal-Album auf den Hörer, das von der ersten Sekunde an fesselt.
Was als erstes auffällt, ist der erstaunlich warme und organische Klang des Albums, der sich angenehm von dem sonst so kalt klingenden Black Metal-Geschredder unterscheidet. Fast harmonisch könnte man den Klang des Albums nennen, aber dazu passt das gewohnte Gekreische natürlich nicht. Weiterhin macht sich der Abwechslungsreichtum bemerkbar: So wechseln sich harsche Riffs mit doomigen oder rockigen Passagen ab, wie es in Daymares, Ketamine and Misanthrophy der Fall ist. Dieses hat im Mittelteil fast psychedelische Anflüge, worauf dann wieder bretternde Riffs mit Röcheln und Husten folgen, was so klingt, als wäre gerade jemand am Ringen mit dem Tod und so für ein Gefühl von Abscheu beim Hörer sorgt. Weitere psychedelische Momente gibt es bei Autophobia und Satanic Flesh, welche durch ein Harmonium beziehungsweise eine Hammondorgel erzeugt werden, die von Labelchef Albin Julius persönlich eingespielt wurden. Der Titeltrack dagegen schleppt sich mit bösartiger Abartigkeit auf doomig-langsame Weise voran.
Gehässig und bösartig ist Sun of all Suns an vielen Stellen und schafft es so, den Hörer immer wieder zu überraschen. Das die Jungs von Amestigon ihr Handwerk beherrschen, muss wohl nicht weiter erwähnt werden, setzen sich diese doch aus Mitgliedern von Summoning und ehemaligen Mitstreitern von Abigor zusammen. Ein perfektes Werk, bei dem nur eines zu hoffen bleibt: Möge die Band nicht noch einmal siebzehn Jahre bis zum nächsten Album warten und auch nicht acht Jahre bis zur nächsten EP. Egal, was kommen mag: Möge es bald kommen und so gut sein wie Sun of all Suns. Und bei letzterem kann man sich sicher sein!
Homepage: www.dargaard.com/amestigon/main.htm
MySpace: www.myspace.com/amestigon

Text: Tristan Osterfeld