Rezensionen & Tonträger Marius, 10.10.2008
Antony and the Johnsons – Another World
Von Antony wird es in nächster Zeit vermutlich so einiges zu hören geben. Und auch der Bekanntheitsgrad dürfte steigen. Das allerdings wird wohl weniger an der aktuellen EP Another World liegen und auch nicht unbedingt durch das kommende Album The Crying Light bedingt sein, sondern eher durch die Tatsache, dass ein gewisser Herbert Grönemeyer bereits angekündigt hat, dass Antony auf dem nächsten Album als Gastsänger zu hören sein wird. Das mag für manche seltsam anmuten, beweist aber vor allem eines: Herbert Grönemeyer füllt nicht nur große Stadien, sondern hat obendrein auch noch Geschmack. Der musikalische Beweis dafür ist auch ohne Grönemeyer bereits auf der neuen EP zu hören.
Nur fünf Stücke präsentiert Antony uns mit seinen Johnsons zunächst auf dieser EP. Begonnen wird dabei mit dem Titelstück Another World. Eine ruhige Piano-Ballade mit einer angenehmen Melancholie, gegen Ende ergänzt durch ein paar dezente Rückkopplungen im Hintergrund. Und auch im folgenden Crackagen ist es wieder das Piano, das als tragendes Element gelten kann. Im Gegensatz zum vorigen Titel kann man hier bei aller Nachdenklichkeit auch so etwas wie Optimismus heraushören, das gut zu dem deutlich hörbaren 20er-Jahre-Einschlag passt.
In Shake that Devil heißt es dann erst einmal Abschiednehmen von der Piano-Dominanz. Stattdessen gibt es ein leicht beschwörendes Stück getragen von dezent verstörenden Klangsphären in Ambientnähe, bis auf Hälfte das Schlagzeug einsetzt und das Stück mehr in Richtung Free Jazz schickt, wie auch das Saxophon zeigt. Das allerdings soll nur ein kurzer Ausflug bleiben, wie Sing for me schnell zeigt: Piano und Streicher als tragende Säulen präsentieren eine schöne Ballade in klassischer Manier.
In aller Ruhe und Traurigkeit, aber ohne Düsternis ist mit Hope Mountain dann leider auch schon Schluss. Hier wird noch einmal durch zweistimmigen Gesang begeistert, bevor mit den letzten Takten auch schon die EP beendet ist. Fest steht: Sie macht eindeutig Lust auf mehr. Und sie zeigt erneut, dass wir es hier mit einem Vollblut-Musiker zu tun haben, der sein Handwerk nicht nur versteht, sondern auch begeisternd umsetzt. Wenn Herbert Grönemeyer diesem Künstler zu einer steigenden Bekanntheit verhilft, ist das nur gut so. Allerdings: Noch schöner wäre, wenn die potenziellen Hörer dies auch verstünden, ohne durch einen großen Namen darauf gestoßen zu werden!
Homepage: www.antonyandthejohnsons.com
MySpace: www.myspace.com/antonyandthejohnsons

Text: Marius Meyer