Es gibt nur sehr wenige Künstler, die es schaffen, wirklich die verschiedensten Szenen miteinander zu vereinen und etwas zu schaffen, das genre-übergreifend Anerkennung findet. Eine Gruppe wie Woven Hand vermag dies beispielsweise, wenn sie eine Spannbreite von Folk- über Country-Hörer bis hin zum Alternative Rock vereint vor die Bühnen und in die Plattenläden zieht. Ein anderes Beispiel hierfür liegt mit Antony and the Johnsons vor, die ebenfalls von Folkfans bis zum Indie für Begeisterung sorgen – allerdings mit gänzlich anderer Musik, die sehr ruhig daherkommt und vor allem von Piano und Stimme lebt. Das zeigt auch die Liste an Kollaborateuren aus der Vergangenheit, bei der sich unter anderem Björk, Lou Reed und Herbert Grönemeyer die Klinke in die Hand gaben.

Mit The Crying Light liegt nun also das dritte Album des New Yorker Ausnahmekünstlers vor, bei dem Antony die Beziehung zur Umwelt in den Mittelpunkt stellt. Her Eyes Are Underneath The Ground als Opener stellt bereits ein Zwiegespräch mit der Natur dar, das spärlich instrumentiert mit einem warmen Piano ist und gerade durch diese Ruhe seine Kraft entfaltet. Genau dies ist auch die große Stärke, die sich durch das Album zieht: Auch aus den ruhigsten Momenten eine große Kraft ziehen. Eindrucksvoll gelingt dies auch im Folgetitel Epilepsy Is Dancing: Auffälligerweise im Walzertakt gehalten und klassisch instrumentiert mit dezenten Streichern und vereinzelten Bläsern gelingt hier ein berührendes Stück Musik, das sich zum Ende hin immer weiter steigert.

Antony selbst folgend ist das Herzstück des Albums das bereits von der Vorab-EP bekannte Another World. Eine fragile Piano-Ballade mit einer großen Portion Melancholie, in der Antony seine Sorgen über die zerbrechende Schönheit der Natur äußert: „I’m gonna miss the wind / been kissing me so long.“ Auch hier gelingt es wieder, gerade durch die Ruhe eine große Wirkung zu entfalten. All das gelingt auf dem gesamten Album sehr facettenreich, bis mit dem – für Antony-Verhältnisse schon fast pompösen – Stück Everglade in aller Nachdenklichkeit auch mal ein deutliches Dur angeschlagen wird.

Im Endeffekt gelingt es Antony Hegarty auf The Crying Light eindrucksvoll, seine Ausnahmestellung in der Musikwelt zu untermauern. Vielschichtige Klänge, geeint durch die Thematik und die innewohnende Ruhe, schaffen es hier, ein durchdachtes und kohärentes Gesamtwerk zu erschaffen, das den Hörer berührt. In diesem Sinne also eine ausdrückliche Empfehlung. Man darf zusätzlich gespannt sein, wie das ganze live klingen wird – an drei Terminen wird es im April die Gelegenheit geben: 23.04.2009 München, 24.04.2009 Berlin, 27.04.2009 Frankfurt. Ob nun mit oder ohne Tour: Lohnenswert ist The Crying Light auf jeden Fall!

Weitere Artikel
Rezension: Antony and the Johnsons – Another World

Homepage: www.antonyandthejohnsons.com
MySpace: www.myspace.com/antonyandthejohnsons

Text: Marius Meyer