„Keine Nation wird je für die Ehre kämpfen, die Osterinsel erforscht zu haben, zumal es kaum ein anderes Eiland im Meer gibt, welches weniger Erfrischungen bietet und Annehmlichkeiten für die Schifffahrt denn dieses“ schrieb schon James Cook über die Osterinsel. Und das aus gutem Grund: Was will man schon mit einem kahlen, unbewohnten Eiland, auf welchem sich lediglich riesige Menschenköpfe aus Stein, die so genannten Moais befinden. Die Moais und auf der Insel gefundene Inschriften zeugten jedoch davon, dass hier einmal eine Zivilisation gelebt haben muss, was gerade in esoterischen Kreisen zu höchst interessanten und genau so haarsträubenden Erklärungsansätzen geführt hat. In der seriösen Forschung ist man sich jedoch weitgehend einig, warum von dieser Zivilisation nichts mehr zu finden ist.

Die Bewohner der Osterinsel haben schlichtweg über ihre Verhältnisse gelebt: Die natürlichen Ressourcen der Insel ausgeplündert, nicht nachhaltig gelebt und damit letztendlich ihren eigenen Lebensraum zerstört. Offensichtlich, was also mit dem Osterinsel-Phänomen gemeint ist, erleben wir es ja selber Tag für Tag.

Für eine solche Thematik eignet sich natürlich am besten unbequemer Industrial, der zwar Liedstrukturen aufweist, die aber nur aus genre-üblichen Krach-Elementen zusammengehalten werden: Maschinen stampfen, Sprach-Samples krachen auf einen nieder, die noch vor der drohenden Katastrophe warnen wollen, doch sie nimmt unaufhaltsam ihren Gang: Es wird konsumiert, produziert, immer mehr ohne Rücksicht auf unsere Umwelt. Alles natürlich nicht tanzbar, dafür aber düster, monoton hämmernd und Unheil versprechend.

Passend dazu ist natürlich auch das Plattencover, welches die Moais als die letzten Überbleibsel jener Kultur darstellt, die vor der Hochhauskulisse einer Großstadt stehen. Ob nun solche Städte einmal die letzten Zeugnisse unserer Kultur sein werden, bleibt natürlich abzuwarten. Letztendlich ist The Easter Island Phenomenon eine gelungene, wenn auch finstere Zukunftsvision, die von sechs Remixen, die als MP3s auf der CD zu finden sind, komplett gemacht werden.

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Text: Tristan Osterfeld