Das zweite Album einer Band ist mindestens genauso wichtig wie das erste. Besonders, wenn das Debüt ein Erfolg war – denn erst einmal muss die Band dann beweisen, dass sie das vorgelegte Niveau halten kann. Bei Ashbury Heights gestaltet es sich mit dem Nachfolger des vielbeachteten Three Cheers For The Newlydeads, dem wir unter anderem das gefühlvolle Smaller zu verdanken haben, noch eine Spur schwieriger. Zwischen dem Erfolg von Three Cheers For The Newlydeads und der jetzigen Veröffentlichung von Take Cair Paramour liegen nicht nur drei Jahre, sondern auch ein Besetzungswechsel.

Dem wavigen Elektropop, der schnell sehr melancholisch wird, sind Ashbury Heights definitiv treu geblieben. Man entdeckt bei jedem Hören der Scheibe wieder neue Details, drängt sich ein anderer Song ins Ohr, der vorher unbeachtet vorbeirauschte. Dieses „unbeachtet Vorbeirauschen“ ist aber auch das größte Problem des Albums: Take Cair Paramour erschließt sich nicht nach ein, zwei Durchgängen im CD-Spieler – bis man Schätze entdeckt, braucht das Album seine Zeit. In unserer schnelllebigen Zeit geht da wahrscheinlich der eine oder andere Hörer auf dem Weg – enttäuscht – verloren. Schlussendlich sind die mitreißenden Songs, die aufhorchen lassen, die sich auf dem 14 Songs starken Album verstecken, allerdings taktisch so klug gesetzt, dass der Hörer durchaus bei der Stange bleibt.

Der Sound wirkt insgesamt erwachsener. Die Stücke sind geradliniger als noch auf Three Cheers for the Newlydeads, auf Experimente wird weitgehend verzichtet. Weibliche Gesangsparts hat das norwegische Duo auch weitestgehend zurückgefahren. Wird der neuen Sängerin Kari Berg dann doch ein Solo zugestanden, wie etwa in I Can Kill You So Easily, einem der Ohrwürmer des Albums, gewinnt der Song allerdings sofort. Die glockenklare, helle Stimme setzt einen starken Kontrast zu Anders Hagströms melancholisch-leidendem Gesang.

Textlich hat man keine Angst vor schwierigen Themen: Neben Nonkonformismus (Anti Ordinary) ist auch Zeit für eine wunderschöne Liebeserklärung, die die Ängste eines Nichtrauchers gegenüber seiner kettenrauchenden Freundin ausspricht. Ein ungewöhnliches Thema, das Ashbury Heights mit The Ashes In Her Breath sehr ernsthaft ansprechen. Die musikalische Begleitung leidet nicht darunter. Das Stück geht direkt in’s Ohr und von da ohne Umwege weiter in die Beine. Auch die gewisse Portion Herzschmerz, oder besser gesagt die Beschäftigung mit dem ewigen Thema Nummer Eins, der Liebe, darf nicht fehlen. Dabei wirken Stücke wie Scars Of A Lighthouse durchaus gefühlvoll, ohne allerdings in übermäßig in Kitsch abzurutschen.

Auch wenn das Album Startschwierigkeiten hat, wird Take Cair Paramour den Erwartungen an Ashbury Heights durchaus gerecht. Der individuelle Elektropop-Sound des Duos bohrt sich vor allem mit Songs wie Kingdom Confession oder Anti Ordinary in die Gehörgänge, und viele der Stücke haben sicher Clubpotenzial. Wer allerdings auf ein zweites Smaller gewartet hat, wird enttäuscht sein. Im Vordergrund stehen auf Take Cair Paramour Anders Hagströms Stimme und die mit viel Freude an ungewöhnlichen, schillernden Metaphern geschriebenen Texte, in denen man auch nach dem x-ten Durchgang im CD-Spieler noch etwas Neues entdecken kann. Schwedens „Elektropop-Hoffung Nr. 1“ ist auf einem guten Weg.

MySpace: www.myspace.com/ashburyheightsmusic

Text: Lisa Kleinberger