Neben der eifrigen Aufarbeitung des Back-Katalogs – über den an dieser Stelle von Zeit zu Zeit immer wieder berichtet wurde – war auch bereits eine ganze Weile ein neues Album von Attrition angekündigt, das nun endlich vorliegt. Mit Unterstützung einiger prominenter Namen wie Ned Kirby von Stromkern, Laurie Reade von Pigface, Erica Mulkey von Rasputina und nicht zuletzt auch Emilie Autumn erschien ein Album, das zwar vor allem düsteren Ambient bietet, diesen Stil aber immer wieder durch (mal mehr mal weniger verschrobene) deutlich vernehmbare Anteile aus dem neoklassischen Bereich anreichert. Vertont wird dabei die Geschichte der Mary Ann Cotton.

Waren in der Laufbahn von Attrition viele Alben auch durchaus von Schönheit und manchmal auch von Tanzbarkeit mitbestimmt, so ist es diesmal wieder eindeutig die ambiente Seite von Attrition, die in den Vordergrund gerät. Düstere Klangsphären entstehen, bauen sich auf, werden durch verstörende Geräusche untermauert und bewegen sich eindeutig jenseits dessen, was man gemeinhin als das Songformat bezeichnet. Geflüsterte Samples, die gerade dadurch so verstörend wirken, dass man sie nicht wirklich versteht sowie auch Horror-Atmosphäre aufbauende Piano-Melodien, die unerwartet auf einmal in Stücken begegnen, machen die Verwirrung perfekt. Es entsteht Dark Ambient, der innovativ wirkt und nur schwer zu berechnen ist.

Ein Aspekt, der bei Attrition so gut wie nie wegzudenken war: Streicher. Diese kommen auch auf All mine enemys whispers nicht zu kurz, was beispielsweise der Cello-Einsatz wie in The Burial Club zeigt. Zu den düster-ambienten Klangsphären gesellt sich hier deutlich vernehmbar ein Cello, das Harmonien spielt, die sowohl für Schönheit als auch für Verstörung sorgen und somit für klangliche Ambivalenz sorgt. Und wenn man von Streichern redet, darf man vor allem den Titel The Gates Of Eternity nicht vergessen, denn in diesem über zehn Minuten andauernden Titel, der sich aus zwei Akten zusammensetzt, steuert Emilie Autumn perfekt ihr Violinenspiel hinzu und macht den Titel zu einem Highlight, das sowohl durch seine eigene Dramaturgie als auch durch die Dramaturgie im Gesamten des Albums besticht.

Sicherlich hat Martin Bowes mit dem neuen Attrition-Werk weder sich noch den Dark Ambient neu erfunden, aber das ist auf diesem Album auch gar nicht nötig und wäre auch vermessen gewesen, zu erwarten. Was Attrition auszeichnet und was auch dieses Werk manifestiert, ist eine faszinierende Beständigkeit – nach so vielen Jahren (über 25 inzwischen) immer noch dem eigenen Schaffen neue Facetten hinzuzufügen und derlei innovative Klänge auf CD zu bannen, ist eine reife Leistung. Und genau diese Leistung wird auf All mine enemys whispers auf sechs Stücken, die insgesamt eine Dreiviertelstunde ausmachen, präsentiert. Ein gelungener Brückenschlag von Dark Ambient hin zur Neoklassik.

Weitere Artikel
Rezension: Attrition – 3 arms & a dead cert
Rezension: Attrition – In the realm of the hungry ghosts
Rezension: Attrition – Etude
Rezension: Attrition – This Death House
Rezension: Attrition – The Eternity LP

Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer