Attrition – das ist ja an sich schon eine lange Geschichte. Wer auf eine 26 Jahre andauernde Bandgeschichte zurückblicken kann, hat einiges erreicht. Mit der The Eternity LP erschien nun die Zusammenführung zweier EPs: Zum einen findet sich auf der LP die gleichnamige EP, die im Jahre 1997 in den USA veröffentlicht wurde, zum anderen enthält sie die Kissing a Virtual angel EP, die 1999 auf Ars Benevoa Mater erschien. Auf diesen beiden untermauerten sie ihre Vorreiterrolle im Bereich der dunklen Elektronik und zeigten erneut, warum sie zurecht in einer Reihe mit Gruppen wie Coil, Legendary Pink Dots, Portion Control und In The Nursery genannt werden.

Als Highlight begegnet gleich der Eröffnungstitel I Am (Eternity), den man salopp als „abgefahren“ bezeichnen konnte. Durchdachte, intelligente und gleichermaßen entspannende Elektronik trifft auf einen hypnotischen Frauengesang, weist leichte Spuren von TripHop auf und ist auch durch die Violine sehr eingängig. Dieser Titel ist gleichermaßen der einzige mit Gesang auf der Zusammenstellung. Leitmotivisch ist vielmehr die Violine, die sich bereits auf dem Cover der CD zeigt. Sie ist es, die der Musik einen einzigartigen Anstrich gibt. Es ist experimentelle Klangkunst, die sich einwandfrei in das britische Industrial-Geschehen der 80er Jahre einordnen lässt. Mit Industrial ist allerdings in diesem Kontext weniger das gemeint, was heutzutage landläufig als solches gilt. Nein, Krachcollagen gibt es hier nicht. Dafür aber durchdachte Elektronik in einem experimentellen Spielraum, der sich fortbewegt von zeitgeistigen Erscheinungen.

Besonders auf dem Werk ist der konsequente Violineneinsatz. Sie begegnet in jedem Stück und gibt der Elektronik somit einen sehr organischen Anstrich. Ein Geist von Klassik lebt so in der Musik und dieser ist es auch, der sich in den Songstrukturen niederschlägt. Martin Bowes geht sehr ins Detail, eben so wie ein Klassikmusiker. Auf diese Art und Weise hat er ein besonderes Klangbild geschaffen, das musikalisches Feingefühl und Innovation kombiniert und eben mal was ganz anderes ist. Wie schön, dass diese beiden EPs nun weltweit über das eigene Label Two Gods erhältlich sind. Was dabei allerdings als einziger Kritikpunkt auffällt: Die Länge. Zwar wird The Eternity LP als Album geführt, ist aber mit seinen 33 Minuten von der Länge her eher ein Zwischenstück zwischen EP und Album. Das ändert nichts an der Qualität der Musik – allerdings wäre es nachvollziehbar, wenn sich jemand ärgert, dass er den vollen Albumpreis für eine gute halbe Stunde Musik bezahlt hat. Jedoch: Wirklich eine andere Wahl hat man nicht – und die Qualität stimmt zweifelsohne.

Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer