Death In June - The Guilty Have No Pride Um eins gleich vorwegzunehmen: Es handelt sich bei dieser CD nicht um ein Neofolk-Werk. Die Neofolk-Phase Death In Junes wurde 1992 mit dem Album But, what ends when the symbols shatter? einberufen, die Aufnahmen auf dieser Veröffentlichung hingegen sind Anfang der 80er entstanden. Die CD enthält die ersten offiziellen Aufnahmen der Band: Die 12inch “Heaven Street”, die LP “The Guilty have no pride” und die Single “State Laughter”. Ergänzt wird die CD um eine DVD mit Live-Aufnahmen von Anfang 1982 in London. Klanglich geht es auf dem vorliegenden Werk eher in Richtung Postpunk bis früher Gothic. Als düster ist es allemal zu bezeichnen…
Der wohl am häufigsten genannte Name in Verbindung mit diesen Frühwerken Death In Junes ist Joy Division, was auch in einigen Punkten zutrifft. Der Grad der Düsterheit ist in etwa ähnlich und in einigen Spielweisen, zum Beispiel bei den Bassläufen, ist auch eine gewisse Ähnlichkeit erkennbar, ansonsten haben Death In June aber bereits in ihrer Frühphase bereits einen sehr eigenen Stil gehabt. Die Besetzung ist hier noch im Urzustand: Douglas Pearce, Tony Wakeford, Patrick Leagas. Neben der bereits erwähnten Feststellung, dass die Werke recht düster sind, ist auch ein sehr treibender, beklemmender Faktor festzustellen. Düstere Klanggebilde, die vor allem durch dunkle, stark im Vordergrund stehende, Bassläufe vorangetrieben werden, werden durch den Gesang weiterhin gestärkt. Dieser fällt recht beschwörend aus und reiht sich gut in die bisherige Beschreibung der Musik ein. Es ist auf eine ganz spezifische Weise fesselnd und beklemmend, ohne einen dabei loszulassen. Wer andere etwa zeitgleiche Gruppen wie die bereits erwähnten Joy Division oder auch Bauhaus mag, wird auch hier seine Freude dran finden können. Wer allerdings nach dem heutigen Klang Death In Junes sucht, wird diesen höchstens in den treibend geschlagenen Trommeln vereinzelt wieder finden können. Ansonsten sind dies noch andere Death In June. Man hört, dass Crisis (die vorangegangene Punkband von Tony Wakeford und Douglas Pearce) noch nicht allzu lange der Vergangenheit angehören: Der punkige Touch ist noch vorhanden. Einige der Stücke stammen auch in abgewandelter Form noch aus dieser Zeit.
Die DVD zeigt indes interessante Aufnahmen von Death In June aus der Zeit, wo man sie noch als Nachwuchsband bezeichnen konnte. Die Bildqualität ist zwar nicht wirklich gut, aber das liegt wohl daran, dass es sich um eine private Filmaufnahme von vor beinah 24 Jahren handelt. Dafür ist die DVD ein beeindruckendes Dokument der ganz frühen Death In June. Hier sieht man vieles, was man heute nicht mehr so sehen kann: Death In June in Urbesetzung, Douglas Pearce ohne Maske und ein Auftritt ohne Flecktarn. Wer die frühen Death In June kennenlernen möchte, ist bei der DVD sicher an der richtigen Adresse. Wer allerdings ein Konzert von Death In June am heimischen Fernseher wirklich genießen möchte, sollte dann doch lieber zur Live in Italy-DVD greifen.

Abgerundet wird der Re-Release durch ein schickes neues Digipak-Artwork im Klappcover. Wer die frühen Aufnahmen nicht besitzt, sollte hier zugreifen. Ansonsten handelt sich um eine gute Zusammenstellung „für Anfänger und Fortgeschrittene“.

Homepage: www.deathinjune.net

Death

Text: Marius Meyer