Da ist aber jemand locker geworden – könnte man meinen. Unter dem Eindruck des Vorgängers Les Lys Brisés stehend, das die französische Künstlerin sehr melancholisch zeigte, bemerkt man auf L’Idéal schnell, dass sich da was geändert hat. Melancholie ade, Sommer und Fröhlichkeit: Hereinspaziert! Lockerer französischer Indie-Pop mit einem ordentlichen Schuss Chanson-Spirit prägt nun das Klangbild der blonden Franzosin. Und das steht ihr, wie sie auf den elf Stücken des neuen Werkes zeigt. Mit musikalischer Schönheit schifft sie konsequent und gekonnt stets geradlinig am Kitsch dabei und spielt sich stattdessen geradewegs ins Ohr des Hörers.

Die Melancholie mag gewichen sein, das Gefühl aber bleibt. Jedoch ein positives. Die Leichtigkeit des Seins ist es, die Barbara Carlotti in ihren Stücken beschwört. Angenehm-dezente Gitarrenklänge, ebenfalls dezente, aber gleichermaßen bestimmte Perkussion und eine eingängige Stimme machen das Gros der Stücke hier aus. Das klingt eingängig und authentisch – letzteres vor allem auch durch die Tatsache bedingt, dass Barbara Carlotti weitestgehend in ihrer französischen Muttersprache singt. Trotz der klar heraus hörbaren Linie ist genug Platz da, Vielseitigkeit zu beweisen. Denn der Chanson-Spirit ist nicht alles auf diesem Album. Mademoiselle Opossum spielt beispielsweise ein wenig mit Rockrhythmen, Kisses spielt ein wenig mit dem Jazz-Besen und ist nebenbei ausnahmsweise in Englisch vorgetragen (allerdings mit unverkennbarem französischen Akzent), ein Titel wie Bête farouche indes lässt sich einzig und allein von der Akustikgitarre begleiten.

Und so ist L’Idéal ein wirklich angenehmes und gelungenes Album geworden. An heißen Sommertagen lenkt es durch eine angenehme Wärme von der drückenden Hitze ab, an kalten Tagen ist derlei angenehme Wärme sowieso ein gern gesehener Gast. Einzig und allein – und wie so oft schon bei Alben dieses Jahrgangs – negativ fällt hier die etwas magere Spielzeit auf: Bloß gute 33 Minuten bringt dieses Album auf den Zählerstand. Das ist leider etwas wenig – aber wie schon geschrieben: Dies sind 33 wirklich gute Minuten. Wer diese Musik mag, wird die kurze Dauer beim Hören vermutlich wenig beachten. Wer also beim Reinhören feststellt, dass diese Art von Musik ihn berührt: Dies hier ist eine Empfehlung!

Homepage: www.barbaracarlotti.com
MySpace: www.myspace.com/barbaracarlotti

Text: Marius Meyer