Das Leben ist oftmals bittersüß. Man hat sich beispielsweise beim Bummeln ein Kleid zum Monatsliebling erkoren, will es nach hunderten schlaflosen Nächten des Nachdenkens schließlich doch kaufen und sieht am Ende das letzte seiner Art nur noch in den Armen einer anderen Frau vorbeiwehen. Eine Tragik wie aus dem Bilderbuch, außerdem irgendwie schon eher ein Luxusproblem. Um einiges mehr bittersüß und dennoch um einiges interessanter als der Verlust eines Kleides ist diese allgegenwärtige Sache mit der Liebe. So schön sie auch sein mag und so sehr wir uns über die glücklichen Stunden des Herzklopfens freuen, ein gepflegtes Suhlen im Liebesleid muss eben genauso mal sein. Jeder möchte einmal intellektuell traurig sein und anmerken, wie gemein doch alles ist und dass man das Karussell aus Dating, Warten, roten Bäckchen, Beziehung und etwaiger Ernüchterung durch Trennung oder andere Bosheiten nimmer betreten will, getreu dem Motto „Pöh, das hast du jetzt davon, du fiese Liebe“.

Wer für dieses Denken ein wenig musikalische Untermalung benötigt, dem sei das neueste Werk des kandadischen Musikers Barzin empfohlen. Dieser behandelt auf Notes to an Absent Lover nämlich die Folgen einer Trennung, mit all den Hochs und Tiefs, die da kommen müssen.
Das hört sich mitunter aber gar nicht immer so todtraurig an, wie manch einer vielleicht erwarten würde. Die poppige Note in der Musik von Barzin verhilft den meisten Songs zu einem angenehmen Tempo, das die Lieder sonniger und nicht überdreht melodramatisch erscheinen lässt. Ein gutes Beispiel dafür: der Opener Nobody Told Me und das Folgelied Words Tangled in Blue gleich hinterher. Das Lied mit dem meisten Pep ist jedoch sicherlich Look What Love Has Turned Us Into. Nicht nur lyrisch gesehen ein kleiner Leckerbissen, ist es ebenfalls einer der Tracks, bei dem man sich fallen lassen kann. Der geht dir ins Herz.
Obwohl, ein Herzschmerz-Album ohne diese wunderschön süffigen, gehauchten Lieder? Das geht nicht! Weiß Barzin anscheinend selbst und bietet daher auf diesem Gebiet gleichermaßen einige gute Stücke an. Soft Summer Girls ist einer dieser Titel, der geradezu für das Wort bittersüß steht. Dieser Gesang, sanft ins Mikro gegeben, so wunderschön warm und einlullend. Einfach schön.
Dann noch der obligatorische Song zum Suhlen in Leid – Lost. Man kann die Verzweiflung und das traurige Gesicht beim Hören mehr als nur erahnen. Da hat jemand wirklich gelitten. Und einige andere werden hier mit großer Sicherheit mitleiden. Damit wäre es bewiesen: Die traurigen Lieder von Notes to an Absent Lover gehen ebenso ins Herz, selbst wenn sie ein wenig mehr daran zwicken.

Mit Notes to an Absent Lover legt Barzin den Hörern eine ziemlich schlichte und trotzdem streckenweise ergreifende Platte vor. Doch die Sache hat einen Haken, einen ziemlich großen sogar. Die Lieder ähneln sich sehr, sind zum großen Teil gleich aufgebaut und keines der Stücke trägt auch nur den Ansatz einer neuen Idee in sich. Das macht es irgendwann fad, da es nichts Neues mehr zu entdecken gibt und ebenfalls nicht unbedingt einprägsam für den großen Alltag, in dem es eher vor sich hin düdelt. Notes to an Absent Lover ist also viel mehr ein Moment-Album, Musik, die man in bestimmten Situationen gerne hört, weil sie passt, allerdings nicht immer braucht. Denn das ist nun einmal das Problem mit den bittersüßen Sachen: Irgendwann will man etwas anderes schmecken, den Horizont wieder schimmern sehen und fröhlich sein. Das kann Barzin leider nicht bieten, aber wer weiß. Nach so einer Trennung kann schließlich, so munkelt man, das Glück sich schon mal wieder erbarmen und somit müsste die nächste Platte gesichert sein.

Homepage: www.barzinh.com
MySpace: www.myspace.com/barzinh

Text: Anne-Sophie Kretschmer