Bleiburg - Pieces of a Broken Dream Viele Gruppen des Neofolk- und Industrialsektors haben über die Jahre mit den Kroaten von Bleiburg zusammengearbeitet. Zum ersten Mal erscheinen die gesammelten Kollaborationen nun auf einer Doppel-CD, ergänzt um sieben eigene Stücke der Gruppe. Durch die Vielzahl der verschiedenen beteiligten Künstler ist also schon einmal ein breites Spektrum musikalischer Vielfalt garantiert, dessen Rahmen vom klassischen Neofolk bis zu verstörendem Industrial reicht. Mit insgesamt zweieinhalb Stunden Musik hat man die Spielzeit der beiden CDs dabei gut ausgereizt, so dass dem Hörer viel geboten werden kann.
Dem Freunde neofolkloristischer Klänge begegnet mit Cawatana gleich zu Anfang ein bekannter Name im Stück Batschka. Allerdings steuern sie auf dieser Zusammenstellung weniger Folk bei als vielmehr eine militaristisch anmutende Klangcollage mit experimentellem Einschlag. Beschwörende wirkende Flöten mit treibenden Trommeln und kroatischer Sprache treffen auf deutschsprachige Samples, die eine finstere Kulisse hervorrufen. Das Bedrohliche und der militaristische Einschlag begegnen auch in den folkdominierteren Titeln. Ein Beispiel hierfür ist der Titel Teufelsdivision – eine Zusammenarbeit mit der Gruppe Obscure Resistance. Eingeleitet von Kriegsgeräuschen wird das Stück schnell von einer treibend gespielten Wandergitarre und stark betonenden Trommeln vorangetrieben und es entsteht eine Art Lagerfeuerfolk, bei dem man sich auch durch den Text bedingt dem Eindruck eines Heerlagers nicht erwehren kann.
Von einem anderen Schlag sind die industriallastigeren Stücke. So zum Beispiel der Titel Nuova Europa mit Gregorio Bardini. Rein musikalisch gesehen besteht der Titel aus Frequenzen, die am ehesten mit dem Terminus „Rauschen“ belegt werden können, dessen Intensität sich abwechselt. Der Gesang ist dabei spoken word-betont und in kroatischer Sprache gehalten. Gegen Ende des Stückes wird das „Rauschen“ um Trommeln und Flöten ergänzt, bleibt dabei aber experimentell.
Einige Stücke kombinieren die musikalischen Richtungen. Der nach der Gruppe genannte Titel Bleiburg ist hier ein Paradebeispiel. Ein erneut verstörendes Rauschen eröffnet das Stück, ab etwa der Hälfte begegnet plötzlich eine harmonisch gespielte Akustik-Gitarre, während das verstörende Element des Stückes durch den bewusst übersteuerten Gesang beibehalten wird.
Schwachpunkte auf Pieces of a Broken Dream sind allerdings ungünstigerweise ausgerechnet die Stücke, bei denen Bleiburg alleine gearbeitet haben. Die Stücke spielen sich alle im Spannungsfeld von Ambient und Industrial ab. Zwar ist Potential bei Bleiburg durchaus vorhanden, dennoch wirken die Stücke leider etwas unausgegoren. Der intendierte experimentelle oder wahlweise verstörende Charakter der Stücke ist zwar zu bemerken, aber im Endeffekt siegt hier doch eher die Langatmigkeit. Schade eigentlich.

So bleibt die Zusammenstellung am Ende ein ambivalentes Vergnügen: Auf zwei CDs wird zu einem fairen Preis eine Menge Musik geboten, dessen Facettenreichtum niemand abstreiten kann. Zudem besteht die Möglichkeit, viele Projekte kennen zu lernen, dessen Name zuvor eher unter „kenn ich vom Hörensagen“ lief. Die Dauer von zweieinhalb Stunden ist dabei allerdings gleichermaßen Vorzug wie Kritikpunkt: Es ist wirklich sehr anstrengend, wenn man den Versuch unternimmt, sie am Stück zu hören. Streicht man aber die Stücke zusammen, die einem gefallen, bleibt nach wie vor mehr Spielzeit über als manch andere Einzel-CD zum gleichen Preis bietet. Aus diesem Grunde sollte man Bleiburg ihre verdiente Chance geben und darf gespannt sein, wie es mit ihrer musikalischen Entwicklung weitergehen wird.

Label-Homepage: www.coldspring.co.uk

Bleiburg - Pieces of a Broken Dream

Text: Marius Meyer