Hat man nicht genug zu tun, wenn man schon in einer sehr erfolgreichen Band spielt? Anscheinend nicht, denn sonst würde es dieses Album wohl nicht geben. Hinter Blind Ego steckt Kalle Waldner, seines Zeichens Gitarrist von RPWL, der mit diesem Projekt bereits das mit Begeisterung aufgenommene Mirror veröffentlichte. Für den Nachfolger hat er sich prominente Mitstreiter gesucht: Neben Yogi Lang, dem Bandkollegen von RPWL, haben sich ebenfalls John Jowitt von IQ und Paul Wrightson (ex-Arena), der diesmal alleine für den Gesang zuständig, ist zusammengefunden. Als wäre das nicht genug, ist noch zusätzlich Igor Calavera mit von der Partie, der bei das Lied Change Reprise mit einspielte.

Neben großen Namen hat das Album aber zum Glück auch musikalisch was zu bieten: Man hat überflüssigen Ballast vom Vorgänger abgeworfen und präsentiert sich auf Numb noch etwas härter. Was während der fast siebzigminütigen Spielzeit direkt auffällt, ist die enorme Vielseitigkeit der Musik, die es auch notwendig macht, das Album mehrmals zu hören, bis man zu einem endgültigen Gesamteindruck kommt. Sehr treibend kommt das Lied Death daher, bei Torn dagegen geht es verhältnismäßig aggressiv zur Sache, während Change sehr spärisch daherkommt.

Auch da die Lieder sehr lang sind – die meisten über fünf Minuten und mehr – und gerne mal zwischen ruhigen und kraftvollen Passagen hin- und herschwanken, fällt es zu Beginn schwer, den roten Faden zu finden. Während der ersten Hörgänge fällt auch auf, dass einige Lieder gerne vor sich hinfließen und keiner wirklichen Songstruktur zu folgen scheinen. Von daher ist Numb keinesfalls ein Album zum Mal kurz nebenbei Hören.

Ist man aber bereit, sich Zeit zu nehmen und das Album mehrmals in Ruhe zu hören und sich darauf einzulassen, bekommt man im Gegenzug ein stilsicheres Progressive Rock-Album ohne viel Drumherum.

Homepage: www.blind-ego.com
MySpace: www.myspace.com/blindego

Text: Tristan Osterfeld