Am schlimmsten sind die Momente, die man voraussehen aber nicht verhindern kann. Über eine Minute lang bleibt die erste Phase der Mordes absolut ruhig, nur um dann mit aller Gewalt auf einen runter zu krachen – genau so, als würde einem der Himmel auf den Kopf fallen. Was danach folgt, sind über eine Stunde andauernde schwermütige Klänge, die den Hörer in düstere Abgründe zerren. Über sieben Phasen geht der akustische Mord von Blindead, wobei sich die einzelnen Phasen über lange Strecken hinziehen und keines der Lieder kürzer ist als sechs Minuten. In dieser langen Zeit werden langsam aber sicher die Hörorgane des Zuhörers durch die zähflüssigen und schwerwiegenden Melodien zermatert.

Sludge Metal, Doom Metal, Post Metal – egal, wie man es nennen will: Blindead verstehen ihr Handwerk und schaffen es, Wut, Verzweiflung und Angst derartig musikalisch umzusetzen, dass man beim Hören immer wieder Gänsehaut bekommt. Eine undurchdringliche Wand aller erdenklichen unangenehmen Emotionen wird aufgebaut. Genretypisch wird dazu gegrunzt, immer mal wieder wird aber auch klar und deutlich gesungen. Egal, was von beidem auftaucht: Jedes Mal sorgt es für ein Zusammenzucken.

Diese Undurchdringbarkeit und die häufig wiederkehrenden Strukturen treiben das Album beinahe in Richtung Monotonie, allerdings schaffen es Blindead immer wieder gerade dann, diese noch zu umschiffen, sobald man denkt, es liefe unweigerlich darauf hinaus.

Sollte man das ganze mit einem Wort beschreiben, würde wohl nur eines passen: Niederschmetternd. Autoscopia: Murder in Phazes macht keine Gefangenen und ist ein knallhartes Sludge Metal-Album geworden, das den Hörer jeden Moment zu erdrücken droht. Ein für das Genre gutes Album, aber auch nur dafür. Wer mit der Musik nie was anfangen konnte, wird auch hier nicht bekehrt – im Gegenteil!

Homepage: www.blindead.net
MySpace: www.myspace.com/blindead

Text: Tristan Osterfeld