Als Autor dieser Zeilen muss ich voranschicken, dass der Name Bon Jovi immer mit etwas gemischten Gefühlen einhergeht. Warum das so ist, lässt sich eigentlich einfach sagen: Auf der einen Seite steht eine große Rockband, die mit Songs wie Livin’ On A Prayer grandiose Hymnen geschrieben hat und mit Richie Sambora einen der besten Gitarristen hatte und jetzt wieder hat, auf der anderen Seite steht da die Band, die mit Songs wie Always und Bed of Roses sehr den Kitsch gelebt hat (obgleich es vom Songwriting her zweifelsohne große Nummern waren). Nun geht es also ein weiteres Mal weiter – mit The Circle als neuem Album der alten Recken.

Der geneigte Stromgitarren-Freund kann gleich mit dieser Nachricht aufatmen: Richie Sambora ist wieder mit an Bord und steuert sein virtuoses Gitarrenspiel bei. Dieses atmet das Album auch eindeutig. Die Gitarrenlinien des Albums sind klar, durchdacht und gut dargeboten, die Soli bedürfen keiner weiteren Worte. Außer vielleicht: Schön, dass man den nach wie vor den Mut dazu hat, sich dem Rock-Format hinzugeben und nicht vor Solo-Einlagen zurückzuschrecken. Und auch sonst machen Bon Jovi eigentlich das, wofür sie bekannt sind: Sie spielen einfühlsame Rockmusik, die dem Freunde der Gruppe gefallen wird, wirken aber – wie von den jüngeren Bon Jovi bekannt – recht glatt geschliffen dabei.

Wenn die Album-Info davon spricht, man habe die „eindruckvolle Rückkehr zum harten, eingängigen Rock’n’Roll“ gefunden, so wirkt das dann doch etwas überzogen. Okay: Ein Song wie Bullet zeigt schon tatsächlich mal härtere Gitarren-Einflüsse und viel Drive. Das ist ein Sound, der Bon Jovi durchaus steht. Dennoch aber muss man konstatieren, dass es eigentlich vorwiegend doch die glatten Bon Jovi sind, die man kennt. Das muss nun nicht schlecht sein. Liest man dazu einen Satz wie „dass auf The Circle jede Menge wachechte Hymnen versammelt sind“, so ist das schon schlüssig und stimmig. Eingängigkeit und Hymnisches finden sich zuhauf auf The Circle.

Im Endeffekt ist das Album ein typisches Bon Jovi-Album, das genau die eingangs erwähnte Ambivalenz zu reflektieren weiß. Es ist wirklich gut gemachte Rock-Musik, perfektes Handwerk und gutes Songwriting. Dazu ein Richie Sambora in Bestform und Jon Bon Jovis herausragende Stimme. Auf der anderen Seite steht aber eben die Tatsache, dass es hier ziemlich glatt zugeht. Die Fans werden es mögen, mit „hartem Rock’n’Roll“ hat es eher wenig zu tun. Trotzdem ist es ein gutes Album. Und spätestens, wenn Bon Jovi wieder die großen Stadien und Arenen bespielen, wird man sehen, wie gut das funktioniert.

Homepage: www.bonjovi.com
MySpace: www.myspace.com/bonjovi

Text: Marius Meyer