Rezensionen & Tonträger Marius, 22.12.2009
Cages – Folding Space
Es ist immer wieder ein sehr ambivalentes Vergnügen, Post von Cold Spring zu bekommen. Wie schon häufiger festgestellt, ist da ja alles mit dabei – man weiß nie, ob man gleich langsamen Ambient, kaum hörbaren Noise oder eine Akustik-Gitarre um die Ohren bekommt. Und man wundert sich auch immer wieder, was da noch so kommt. Beispielsweise Cages, ein Duo bestehend aus Nola Ranallo und David Bailey, die zwar auseinandergezogen sind, aber durch beständigen postalischen Tape-Austausch dieses Album haben entstehen lassen, bei dem man hin- und hergerissen ist zwischen angenehm-verträumtem Gitarren-Pop mit Shoegaze-Appeal und verstörenden Einlagen, die auch vom Gesang mitgetragen werden.
An sich sind die Songs von Cages langsame Gitarrensongs, bei denen langsam auch wirklich im wahrsten Sinne des Wortes langsam bedeutet, beinah schon in Ambient-Geschwindigkeit. Die getragenen Arrangements entwickeln sich wabernd und haben immer einen sehr verhangenen Charakter. Klare Momente begegnen zwar immer wieder, aber dennoch haben Cages einen sehr verstörenden Charakter in ihre Musik integriert. Wenn sie wollte, könnte Nola Ranallo eine wunderschöne Gesangsstimme haben – das beweist sie in den klaren Momenten immer wieder. Aber was sie draus macht, trägt dann doch eher experimentellen Charakter, wirkt aggressiv, kratzig, usw. Dazu nehmen auch die Arrangements immer wieder finstere Züge an, wenn sie aus sich herausgehen.
Liest man bei last.fm, so begegnet einem beispielsweise der Begriff Silencecore für das, was Cages spielen. Ein wirklich treffender Begriff für Musik, die tatsächlich mal innovativ ist, aber eben auch einen Hang zur Disharmonie beim potenziellen Hörer benötigt. An sich ist Folding Space ein wirklich positiv interessantes Album geworden für einen breiten Hörerkreis, der sich genre-technisch kaum eingrenzen lässt. Vorher antesten wäre aber doch empfehlenswert…
MySpace: www.myspace.com/cages

Text: Marius Meyer