Wer kennt das Buch „Alice im Wunderland“ von Charles Lutwidge Dodgso und die bizarren Abenteuer, die das Mädchen Alice darin erlebt, nicht? Und wer hat sich nicht gefragt, was geschehen muss, um sich derartig surreale Welten ausdenken zu müssen? Ähnlich wird es jedem gehen, der sich das neue Album von Caprice anhört. Denn was sich hier für bizarre Klanglandschaften aufbauen, nur um sich dann wieder in ganz andere Richtungen zu entwickeln, ist etwas, das man selten erlebt. Wie ein Fluss ist dieses Album – ein Fluss, den man sehen, aber nicht greifen kann, der sich seinen Weg bahnt und dessen Flussbett nicht gerade verläuft, sondern in Schlangelinien, um Ecken und bei dem man sich immer wieder wundert, wo er hinführt.

Als Neoklassik wird das Album bezeichnet. Wenn man diese Bezeichnung wirklich nehmen will, dann muss man von Neoklassik im positivsten Sinne reden, allerdings ist fraglich, wie viel Caprice dann mit den vermeintlichen Genrekollegen wirklich gemeinsam hat. Von Coputer-Neoklassik und Rumgesample ist hier wenig zu sehen – vor allem hat man es hier mit einer instrumentalischen Vielfalt zu tun, die seinesgleichen sucht und sich schon fast als orchestral bezeichnen lässt.

Auch die Stilvielfalt kommt nicht zu kurz: Das zeigt sich alleine im ersten Lied Dundellion Wine schon: Was flüsternd beginnt, geht mit einer Hohen Frauenstimme und einem leicht esoterischen Hauch weiter, nur um dann mit einer E-Gitarre mit härteren Riffs für ein psychedelisches Klangbild zu sorgen und noch etwas später stilistisch an Kinderlieder zu erinnern – verzerrte Stimmen inklusive. Wie bei Dundellion Wine geht es auch auf dem Rest der CD weiter: Es wird mit diversesten Stilmitteln gearbeitet, die aber jederzeit zueinander passen und ein sehr ungewöhnliches Klangbild erzeugen.

Hört man Kywitt! Kywitt!, wird man an Fabelwesen erinnert, die ein Fest feiern. Nicht nur, dass die immer mal wieder auftauchenden Stimmen an Elfen oder Feen erinnern: Das ganze Album ist unglaublich farbenfroh und mit einer Liebe zum Detail bearbeitet, das einem nur ein Begriff einfällt: Schön!

Es wird wahrscheinlich viele Menschen geben, die mit Kywitt! Kywitt! wenig anzufangen wissen, da es ihnen zu verspielt ist. Daher ist gerade diese Rezension an all jene, die keine Scheuklappen haben und auch keine Probleme mit einer Extraportion Zuckerguss auf dem ganzen haben, ein Appell, sich diesem Album zu widmen – denn es schreit geradezu danach, entdeckt zu werden.

Homepage: www.caprice-music.com
MySpace: www.myspace.com/laoris

Text: Tristan Osterfeld