Simon Konrad, der Kopf von Cargo City, sieht aus wie ein Mann, den etliche viele Frauen mit Freuden sofort ehelichen würden, noch bevor sie überhaupt seine Musik gehört haben. Er hat hübsche Äuglein, eine Frisur, die der Zeit entspricht und einen Bart, der im Grunde wie ein Fliegenfänger bezüglich der Damenwelt wirken müsste. Doch genau dieses Erscheinungsbild ist wohl das Problem, schließlich urteilen manche Damen, noch bevor sie überhaupt das Gesamtpaket kennen. Schade eigentlich, denn Herr Konrad, anscheinend ein Deluxe-Paket, kann weitaus mehr, als lediglich gut auf Promo-Fotos auszuschauen. Daher möchte ich an dieser Stelle nun vollkommen uneitel vorgehen und ihn letztendlich für das preisen, was nicht so schnell vergeht wie schönes Haar: sein zweites Album On.Off.On.Off., das beweist, wie viel von einem tollen Musiker in diesem Mann steckt.

Simon Konrad und Band konnten bereits die Kritiker mit seinem Erstlingswerk How To Fake Like You Are Nice And Caring überzeugen, das sich mit lebensverschönernden Musikmomenten in die Herzen der Hörer einnistete. Der Nachfolger sollte vor allem eins werden: in sich stimmig, trotz Zeitdruck. Das Ergebnis dieses Vorhabens: ein wirklich feines Indie-Pop-Album, bei dem sich fesche Up-Tempo-Nummern und liebliche Balladen immer schön die Waage halten.
Schaut man sich um, in diesem abwechslungsreichen Gemisch, so kann man wahrlich viele Schmankerl finden, die Hörgenuss garantieren. Einer dieser Leckerbissen ist beispielsweise Lately…, ein Lied, das den Schmalz bietet, der junge Damen wie mich zum Schmunzeln und zu glitzernden Augen bringt. Wunderhübsch melodiös, mit einem Rhythmus, der in die Beine geht und viel Charme vorgetragen – mehr braucht ein gutes Lied anscheinend nicht. Nicht anders verhält es sich da bei Review Mirror. Dieser Track ist für die Tanzfläche gemacht, starre Hüften sind verboten, ertönen diese Klänge. Und er ist ein echter Garant für einen schnieken Ohrwurm.
Wem schmusiger zumute ist, dem sei Hold On In The Rye, Holden empfohlen. Der Opener von On.Off.On.Off. verspricht große Emotionen, ohne dabei auf die tranige Heulsusen-Schiene zu kommen. Noch eine Spur schöner: I Don‘t Speak. Dieses Lied wirkt verspielt und zeitgleich fragil, äußerst zart und betörend. Sänger Simon verzaubert hier mit seiner samtig-weichen Stimme und erzeugt somit ein Gefühl von Wärme, Nähe und Intimität. Ein kleines Meisterwerk, inmitten dieser zwölf Songs.

On.Off.On.Off. ist ein Album, dem man anmerkt, wie ehrlich und ungekünstelt es ist. Die Songs kommen von Herzen und bieten jedem Ohr den passenden Sound. Wer es zuckrig mag, der hört sich eben Flowershops In Hospitals an und wer doch lieber das Tanzbein schwingt, der wird sich an Euphoria/Nostalgia erfreuen können. Das ist mitunter nicht sonderlich innovativ und vor Neuheiten strotzend, doch wer meint, man müsse für eine famose Leistung die Welt neu erfinden, der hat sich eh geirrt. Simon Konrad achtet wohl mehr auf die Feinheiten seiner Lieder und legt den Fokus auf die für jeden zugänglichen Emotionen, ohne dabei übertrieben zu agieren. On.Off.On.Off. bietet ein bittersüßes Stück Alltag, das von einem kitschigen Hauch getragen und dadurch erst so schillernd schön erstrahlt.
Nun wissen wir also, dass Herr Konrad nicht nur der Mann mit dem schönen Bart ist, den man auf etlichen Bildern bestaunen kann. Viel mehr ist er der Mann, der es schafft, kleine Freudenfeuer der Musik zu kreiieren. Und das macht irgendwie reizvoller als jede einzelne Stoppel auf den Wangen.

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Text: Anne-Sophie Kretschmer