Rezensionen & Tonträger Tristan, 02.02.2010
Changes - Lament
Einiges an Zeit gelassen haben sich die Herren von Changes ja schon, bis jetzt Lament endlich erschienen ist. Auf diesem thematisieren die beiden den persönlichen Verlust von Geliebten Menschen und die dadurch entstehende Trauer. Da es im eigenen Umfeld einige Scheidungen und Trennungen in den letzten Jahren gegeben hat, war es wohl auch eine wichtige Angelegenheit, dies zu thematisieren und, wie das Booklet verrät, auch eine eigene Art und Weise zu finden, all die Erfahrungen, die Robert Taylor und Nicholas Tesluk gemacht haben, zu verarbeiten. So beinhaltet Lament eine sehr intime Thematik, die auch gut auf diesem Album eingefangen ist. Leider zeigen sich gerade an dem Konzept des Albums auch einige Schwächen auf.
Diese sind meistens nur Kleinigkeiten, die aber in der Gesamtheit dann doch nerven: Das erste Problem wäre das für die Band typische Lagerfeuer-Geklimper. Dieses klingt einfach häufig zu positiv für das Thema Trauer und Trennung. Gerade beim Titelsong Lament/Flying fällt dies massiv auf. Schunkel-Folk ist da einfach nicht angebracht. Ein anderes Thema sind drei Lieder, die schon auf Fire of Life waren, die zwar thematisch auf das Album passen. Bei zwei der neuen Versionen (Sweet Eve und Memorabilia) gibt es auch wenig auszusetzen, denn diese sind genau so gut wie die alten, allerdings auch nicht mehr oder weniger. Die neue Version von The saddest Thing ist nur leider ein übler Ausrutscher geworden. Ist das Original wirklich ergreifend, so ist die neue Version wegen des Gesangs kaum zu ertragen und man fragt sich, was die beiden Herren sich dabei bitte gedacht haben, dieses Lied mit einem Gesang, der wie Katzengejammer klingt, zu verschandeln – das hätte man sich wirklich sparen können! Als letzter Punkt wären da die zwei Instrumentalstücke No way back und Dance of the Hours. Es ist ja nicht so, als wären Changes-Lieder in Sachen Klang allzu unterschiedlich, manche mögen sogar sagen, alle Lieder der Band klängen gleich. Dies mag in der Natur der Sache liegen, denn mit nur einer Akustik-Gitarre ist die Variationsmöglichkeit stark eingeschränkt. Aber genau deswegen sind Instrumental-Stücke von Changes sowohl überflüssig als auch nicht sonderlich spannend.
Ohnehin leben die Lieder von Changes primär von den Texten und diese sind wieder unglaublich veranschaulichend, sodass sie jeder nachvollziehen kann und man fast schon Parallelen zu Leonard Cohen ziehen möchte, besonders Lieder wie The End of the Road könnten besser nicht sein. Nach jedem Lied erzählt Robert auch noch die jeweilige Geschichte zu dem gerade abgelaufenen Lied, was dem Album noch eine persönliche Note gibt. Eine wirklich schöne Idee.
Das Grundgerüst der Lieder ist wie erwähnt die Akustikgitarre, die auf vielen Liedern noch von Flöten oder Orgeln begleitet wird. Dies sorgt nicht nur für genug Abwechslung auf dem Album, es sorgt auch mitunter völlig ungewöhnliche Erlebnisse. In Mountains of Sorrow geht die Gitarre sogar fast in wabernden Orgelklängen unter, die ein Gefühl von Kälte erzeugt und den Schmerz und die Verzweiflung spürbar macht. So etwas hätte man Changes bislang kaum zugetraut – Respekt!
Keine Frage: Changes haben mit Lament wieder ein gutes Album herausgebracht. Wären die ganzen bereits erwähnten Details nicht gewesen, könnte man auch von einem erstklassigen Album reden. Ein schlechtes Album werden Changes wohl auch niemals rausbringen, bei Lament wäre aber noch etwas mehr drin gewesen.
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Homepage: www.nmia.com/~thermite

Text: Tristan Osterfeld