Rezensionen & Tonträger Marius, 12.03.2010
Cheryl Cole – 3 Words
Da schlägt man der werten Mitschreiberschaft nichts ahnend ein Thema vor, denkt sich eigentlich herzlich wenig dabei und dann das: Es dauert gar nicht lange und man wird erst einmal von zwei Seiten dafür ausgelacht. Schnell bemerkt: Da ist offenbar mal wieder ein Hype an mir vorbeigegangen. Cheryl Cole. Wenn man sich dann mal flott beliest, wird es schnell klar: Stimmt, irgendwie mal wieder was nicht bemerkt. Nämlich eine bekannte Showbiz-Persönlichkeit aus UK. Sängerin, Mode-Ikone, TV-Idol, Ehefrau von Chelsea-Fußballer Ashley Cole. Ein Mitglied der Gewinnerband aus der britischen Variante von Popstars. Zehn Top Ten-Hits am Stück in UK. Und all das einfach mal nicht bemerkt? Komisch.
Diese ungewollte Ignoranz ist aber auch eine gute Chance. Eine gute Chance, um wirklich unvoreingenommen an das Album 3 Words zu gehen. Denn: Was einem nicht vorher hype-mäßig überall um die Ohren gewirbelt wurde, ist in den Ohren noch frisch und unverbraucht. Also mal angefangen bei der Single Fight For This Love: Eröffnet mit elektronischen Beats, die nicht wehtun und Charts-Potenzial haben, zu denen sich bald die säuselnde Frauenstimme von Cheryl Cole hinzugesellt. Das tut tatsächlich nicht weh – auch nicht dem Ohr, das sonst eigentlich ganz andere Klänge gewohnt ist. Natürlich: Das hier ist Ware für die breite Masse, aber sie lässt sich wirklich gut anhören. Und: Wir sind hier bei einer Vorab-Single, die soll ja schließlich auch die Hörer erschließen.
Weiter in die Materie eingearbeitet… Eröffnet wird mit dem Titel 3 Words, bei dem sich auch US-Rapper will.i.am beteiligt. Und man wundert sich: Das Casting-Wunder eröffnet mit Gitarren-Klängen, die bald durch Synthesizer-Dramatik ergänzt werden. Okay, auch hier kommt bald der Beat dazu – aber die beiden Stimmen ergänzen sich hier gut und das Stück wirkt angenehm. Überhaupt ist die Stimme Cheryl Coles ihr großes Plus. Auch ein Song wie Rain On Me zeigt die angenehmere Seite des massentauglichen Marktes. Geht man dieses Werk unvoreingenommen an, ohne zu wissen, dass wir es hier mit einer Sängerin, die aus der Plastik-Industrie hervorgegangen ist, zu tun haben, kann man außer der Seichtheit und dem häufigen Chart-Beat wenig aussetzen, denn es klingt trotzdem gut.
Cheryl Cole hat mit 3 Words das Potenzial dazu, das zu werden, was früher der Aldi-Einkauf war. Jeder, der dort war, war natürlich nur rein zufällig gerade mal vorbeigefahren – das aber passierte mit einer erstaunlichen Häufigkeit. Wenn man nun im Bekanntenkreis auf einmal Cheryl Cole hört, ist alles klar: Das ist irgendwie gerade rein zufällig da im CD-Player gelandet. Keine Ahnung, wie das passieren konnte…
Homepage: www.cherylcole.com
MySpace: www.myspace.com/cherylcolemusic

Text: Marius Meyer