Manchmal gibt es Zusammenstellungen, die überfordern einen zunächst. Nicht etwa in inhaltlicher Hinsicht, sondern beim Versuch, darüber zu schreiben. Zu vielfältig wurde das gestaltet, was darauf zu finden ist, um es im Rahmen einer Rezension hundertprozentig abzuhandeln. Und das auch noch bei einer Band wie Die Fantastischen Vier, die nun zu ihrem 20jährigen Jubiläum eine Tribute zusammengestellt haben, dessen Inhalt vielgestaltiger kaum sein könnte und von der reinen Coverversion bis zur kompletten Neuinterpretation reicht. Ein flüchtiger Blick auf die Interpreten-Liste zeigt schon ein Potpourri wie: Xavier Naidoo, Peter Maffay, Scooter, Revolverheld, The Rattles, Masssive Töne, Thomas Anders, Karat, Sasha, Roger Cicero, Fehlfarben, Mario Barth, Juli.

Statt einer vollständigen Rezension seien an dieser Stelle lieber einige Schlaglichter geworfen auf Versionen aus den verschiedensten Richtungen, komplettiert um eine vollständige Trackliste der Zusammenstellung unter dem CD-Cover. Der Fokus an dieser Stelle soll sich dabei weniger richten auf Genre-Kollegen wie Massive Töne und Spezializtz, sondern auf unerwartete bis gar exotische Interpreten… Namentlich: Fehlfarben, Oomph!, In Extremo, Sasha, Thomas Anders, Scooter, Dieter Nuhr.

Bereits früh überraschen auf der CD die Fehlfarben, dennoch erscheint es verständlich: Eint die beiden Gruppen doch eine maßgebliche von ihnen ausgehende Prägung der deutschen Musikszene. Was auffällt: Die Version von Mehr geben fällt relativ elektronisch geprägt aus. Und doch ist es ein typisch hektisches Fehlfarben-Stück, bei dem sie gewohnt nach vorne gehen und durch Peter Heins Gesang ein Stück entsteht, das auch gut auf einen der jüngeren Fehlfarben-Outputs gepasst hätte.

Ebenfalls im Rock-Bereich, aber ganz anders: Oomph!, die hier Ernten was wir säen interpretieren. Ein Stück, das für sie eigentlich wie geschaffen war, ist es doch eines der rockigeren Stücke der Fantas. Oomph! rücken die Nummer in ein Gewand, das gut auf deren letztes Album Monster gepasst hätte: Tragisch wirkender Chorus mit satten Gitarren und Chorus im Industrial Rock verankert. Das passt. Und erinnert man sich noch an Megavier-Ausflüge, ergibt das ganze eigentlich sogar einen ziemlichen Sinn.

Bei In Extremo sieht es wiedermals anders aus. Sie rücken Yeah Yeah Yeah zuleibe. Eine an sich auch bei den vier Stuttgarten schnoddrige Nummer wird auch von In Extremo mit diesem Charakter übernommen. Hier jedoch ist die Kompatibilität der spielenden und interpretierten Band nicht so deutlich zu hören. Das Dudelsack-Inferno und ein apokalyptischer Grundtouch schaffen es nicht, den Wortwitz des Originals entsprechend zu würdigen. Leider eher Kategorie „ganz nett“.

Skepsis kommt auf beim Blick auf den Namen Sasha, der sich dazu auch noch Die da!?! geschnappt hat. Erinnert man sich an Dick Brave, weiß man aber: An sich ist Sasha mit Selbstironie gesegnet und birgt auch in anderen Richtungen als dem Mainstream-Pop Potenziale. Zwar rückt seine Version des Klassikers dennoch in diese Nähe, lässt sich aber als Interpretation gut anhören. Das einzige Problem, das sich hier eröffnet: Gerade dieser Song lebt von den wechselnden Stimmen, die hier nun alle von einer einzigen Person übernommen werden…

Erblickt man dann den Namen Thomas Anders in der Titelliste, bekommt man plötzlich ein ganz eigenartiges Gefühl. Und muss einfach mal hören… Überraschung: Irgendwie gefällt es. Diese Version hat einen derartigen Trash-Faktor, dass man es mögen muss. Thomas Anders gelingt es, in bester Modern Talking-Manier der 80er diesen Titel in eine Disco-Pop-Nummer zu verwandeln. Dass er singen kann, weiß man. Aber es stellt sich doch sehr ernsthaft die Frage, ob hier nicht eine große Portion Selbstironie bei Geboren mit im Spiel war. Ob mit oder ohne: Ein Highlight, das muss man sagen!

Und wieder ganz anders: Scooter! Klingt auch nach einer witzigen Idee… Eröffnet wird mit den typischen Scooter-Schreien („Wicked“, „Hardcore“, usw.). Allerdings ist es hier weniger zu einer Cover-Version gekommen, sondern bloß zu einem Remix, der einfach nur zuckergussmäßig den Scooter-Stil über den Gesang von Troy legt. Das ist schade, denn hier hätte man mehr rausholen können.

Abschließend sei noch ein Blick geworfen auf den sehr abwegigen Comedy-Bereich, oder in diesem Fall auch Kabarett. Personifiziert zum Beispiel durch Dieter Nuhr, der sich an Buenos Dias Messias wagt. Ein kleines Intro wird gefolgt von einem Versuch Dieter Nuhrs, über E-Gitarren und Beats zu rappen. Das klingt sehr befremdlich und zeigt, was Dieter Nuhr eigentlich gar nicht kann. Aber genau das ist es, was den Charme dieser Variante von Buenos Dias Messias ausmacht. Gerade die Schimpfwort-Passage bietet erneut den bereits in anderem Zusammenhang erwähnten Trash-Faktor. Eine wirkliche Interpretation und ein weiteres Highlight!

Wie die Ausführungen schon zeigen konnten: Es wäre einfach unmöglich, auf jeden Song einzugehen. Daher hier nur diese Schlaglichter, die hoffentlich zeigen konnten: Die Fantastischen Vier haben eine vielgestaltige Hörerschaft, die sich auch in denen widerspiegelt, die das Schaffen von ihnen mögen. Dass sie sich längst einer Genre-Klassifizierung entziehen und übergreifend für Begeisterung sorgen, spiegelt sich auch in der Tracklist dieser CD wieder. Was sich genau so zeigt: Die Gruppe hat nie das Augenzwinkern und die Selbstironie verloren. Und genau damit sollte man auch diese Zusammenstellung betrachten. Dann erkennt man, dass hier Großes geleistet wurde! Schließlich dürften auch viele der Interpreten diese Selbstironie hier unter Beweis stellen – auch solche, denen man es gar nicht so zutrauen würde…

Weitere Artikel
Rezension: Die Fantastischen Vier – Fornika für alle (DVD)
Interview mit Michi Beck von den Fantastischen Vier (Mai 2008)
Konzertbericht: Die Fantastischen Vier – 24.11.2007, Leipzig Arena
Vorbericht: Die Fantastischen Vier – Fornika für alle-Tour
Rezension: Die Fantastischen Vier – Fornika

Weblinks
www.diefantastischenvier.de
www.myspace.com/diefantastischenvier
www.tribute2fanta4.de
www.myspace.com/tributetofanta4
www.youtube.com/tribute2fanta4
www.facebook.com/pages/Tribute-2-Fanta-4-A-Tribute-to-Die-Fantastischen-Vier/111468305755
twitter.com/tribute2fanta4
www.myvideo.de/channel/fanta4_tribute

Tracklist
01. 7 Faces - Sommerregen
02. Christina Lux - Was bleibt
03. Clueso - Hoffnung
04. Dieter Nuhr - Buenos dias Messias
05. Extrabreit - Krieger Version 2009
06. Fehlfarben - Mehr Geben
07. Fools Garden - Ernten was wir säen
08. FR - Le Smou
09. Gods of Blitz - Wie die Anderen
10. Grossstadtgeflüster - Laut Reden Nichts Sagen
11. In Extremo - Yeah Yeah Yeah
12. Juli - Er muss Raus
13. Karat - Sommerregen
14. Karpatenhund - Paranoia Blues (Schizophren)
15. Knorkator - G. Boren
16. Mamas Gun - Die Da!?!
17. Mario Barth - Dicker Pulli
18. Massive Töne - Picknicker
19. Max Mutzke - Nach dem Eegen
20. Onkel Rock ‘n Roll - Sie ist Weg
21. Oomph! - Ernten was wir säen
22. Peter Maffay - Über Nacht zum Krieger gemacht
23. Pohlman und “les sauvignons” - Was Bleibt
24. Puhdys - MFG
25. Pur - MFG
26. Revolverheld - Was Geht Version 2009
27. Roger Cicero - Geboren
28. Sasha - Die Da!?!
29. Scooter - Troy
30. Sebastian Krumbiegel - Dicker Pulli
31. Spezializtz - 4 Gewinnt
32. The Rattles feat. Gary Krosnoff - Ewig
33. Thomas Anders - Geboren
34. Thomas Godoj - Flüchtig
35. Xavier Naidoo - Krieger
36. Yeti Girls - Yeah Yeah Yeah

Text: Marius Meyer