Rezensionen & Tonträger Marius, 03.09.2010
Compilation – Amphi Festival 2010
Wenn es ein Festival gibt, das sich in Rekordzeit etablieren konnte, dann ist es das Amphi Festival. Das seit dem zweiten Jahr in am Kölner Tanzbrunnen, zentral an der Messe gelegen, stattfindende Festival konnte binnen kürzester Zeit einen Platz nebst den beiden Größen Wave-Gotik-Treffen und M’era Luna einnehmen und meldete in diesem Jahr erneut „Ausverkauft“. Für die einen als Rückblick, für die anderen als Überblick, gibt es nun auch den Festival-Sampler, auf dem eine Auswahl von 17 Künstlern zu finden sind, die einen vielseitigen Einblick geben und dabei vor allem dadurch geeint sind, dass sie auf dem Festival gespielt haben.
Der Sampler ist dabei vor allem elektronisch geprägt, was allerdings auch die Zusammenstellung des Gesamt-LineUps ganz gut widerspiegelt. Hierbei begegnen die verschiedenen Strömungen des Elektros, die vertreten waren. Seien es die Urgesteine von Welle:Erdball mit Ich bin aus Plastik oder auch And One mit Steine sind Steine oder auch jüngere Acts wie Faderhead, die hier die härtere Gangart repräsentieren: Dass die Elektro-Szene vielseitig ist, wird hier eindeutig bewiesen. Das können auch Acts wie Ext!ze als Hellectro-Repräsentant, Skinny Puppy als lebende Legende oder auch das Phänomen Blutengel zeigen.
Dennoch: Ganz fehlt die Gitarre nicht. Eisbrecher beispielsweise steuern mit Eiszeit hier ein schwermütiges Stück des härteren dunklen Gitarrenrocks bei, das nebenher einen hymnischen Charakter trägt. Mittelalterlicher begegnet die Letzte Instanz, die hier mit Die Eine ein eingängiges Stück im mittleren Tempobereich beisteuert, während die Metal-Fraktion dank Leaves Eyes auf ihre Kosten kommt. The Battle Of Maldon kombiniert wie gewohnt die Shouts von Alexander Krull mit dem opernhaften Gesang Liv Kristines. Ein guter Beweis, dass das Amphi-Festival eben kein reines Elektro-Festival ist.
Ein bisschen zu hinterfragen allerdings ist die Band-Auswahl. Zwar sind viele Größen hier zu finden, aber dass da gerade ein Act wie Project Pitchfork fehlt, der sicherlich nach wie vor zu den Zugpferden eines derartigen Festivals gehört, ist schade. Auch Escape With Romeo, die bereits zum frühen Mittag die Menge im Staatenhaus gut im Griff hatten, hätte man sich hier gewünscht. Ansonsten bleibt der Sampler aber ein guter Überblick über die gegenwärtige Szene und das Festival. Dass bei einer Compilation dieser Art nicht alle Acts jedem gefallen können, liegt dabei vor allem in der Natur der Sache begründet. Wenn nun aber mehrere (dunkle) Geschmäcker aufeinandertreffen, so hat man hier einen guten Konsens, nebenher kann man noch etwas entdecken. Allemal ein sinnvoller Sampler!
Eine Tracklist findet sich unter dem CD-Cover!
Weitere Artikel
Festival-Bericht: Amphi Festival 2010
Festival-Homepage: www.amphi-festival.de
Amphi bei MySpace: www.myspace.com/amphifestival

1. Ashbury Heights “Medicine”
2. Blutengel “Schneekönigin”
3. Welle Erdball “Ich Bin Aus Plastik”
4. Faderhead “Escape From The Machine (Demo Version)”
5. Diary Of Dreams “King Of Nowhere (Club Mix)”
6. Rabia Sorda “Mirrors And Knives”
7. Skinny Puppy “Ugli”
8. Combichrist “Get Out Of My Head”
9. Extize “Hellektrostar (Reaper Remix)”
10. Eisbrecher “Eiszeit”
11. ASP “Kokon (Horror Vacui Mix)”
12. Leaves Eyes “The Battle Of Maldon”
13. Letzte Instanz “Die Eine”
14. Din A Tod “Westwerk”
15. Solitary Experiments “Immortal (Cephalgy Mix)”
16. Destroid “Leaving”
17. And One “Steine Sind Steine (LP Version)”
Text: Marius Meyer