Dass die Berliner Band Coppelius irgendwo im vergangenen Jahrhundert hängen geblieben ist, haben sie ja schon auf ihrem Vorgängeralbum bewiesen. Genau dort ist auch ihr zweites Album zu verorten, auf das die Fans schon sehnsüchtig gewartet haben. Allein das Vorwort von E.T.A. Hoffmann, von dem auch das Nachwort gesprochen wird, lässt daran keinen Zweifel. Dazwischen gibt es insgesamt fünfzehn Lieder, für man sich ebenfalls prominente Unterstützung geholt hat: Eric Fish und Frau Schmitt von Subway to Sally sind auf diesem Album genau so vertreten wie der Berliner Musiker B. Deutung, die sich sehr gut in den Klang des Coppelius-Album einfügen.

Denn Coppelius schlagen auch auf ihrem zweiten Album in eine Bresche irgendwo zwischen Letzte Instanz und Subway to Sally: Anstelle von E-Gitarren und Bässen werden Cello, Kontrabass und Klarinette eingesetzt, die auch häufig verzerrt werden und so für einen sehr schrägen und skurrilen Klang sorgen, besonders wenn auf dem Alben Soli mit den Instrumenten gespielt werden.

Passend dazu sind auch wieder die herrlich schrägen Texte, die häufig einen sehr morbiden Humor haben: Auf Lilienthal geht es um Otto Lilienthal, den deutschen Pionier der Fliegerei, der zu Lebzeiten viele Rekorde aufstellte und auch bei einem dieser ums Leben kam. Der „Angeber“ Lilienthal wird hier sabotiert und bekommt damit, was er verdient. Auf Komposition kommt die gleiche Melodie wie beim Lied Operation des Vorgänger-Albums zum Einsatz. Nur geht es diesmal um den Diebstahl einer Komposition von einem guten Freund und nicht um die Operation einen jungen Arztes. Sehr schön ist auch Der Advokat, bei dem die negativen äußerlichen Eigenschaften einer Person aufgezählt werden. Das Lied endet schließlich sarkastisch mit den Worten „aber vielleicht ist er als Mensch ganz nett“ und spricht wohl jedem aus der Seele, der sich Predigten darüber anhören musste, man solle ja nicht Leute nach dem Äußeren beurteilen. Auch zwei englische Stücke sind auf der CD zu finden.

Alle Achtung: Coppelius führen ihren Stil konsequent fort und bieten ein weiteres Mal ein vielseitiges und häufig überraschendes Hörerlebnis, was auch für einen sehr eigenständigen Sound sorgt. Herrlich schräg und spaßig ist dieses Album geworden, das Fans uneingeschränkt empfohlen werden kann. Wer Coppelius bislang nicht kennt, wird zwar einige Hördurchgänge benötigen, um mit dem Klang warm zu werden, aber wer die Geduld aufbringt, wird es nicht bereuen.

Homepage: www.coppelius-band.de
MySpace: www.myspace.com/coppeliushilft

Text: Tristan Osterfeld