Nachdem man sich auf zwei Alben, einem Kirchenorgel-Album und zahllosen Live-Auftritten auf dem gesamten Globus verteilt ausgiebigst mit der Carmina Burana beschäftigt hat, bricht Corvus Corax nun in neue Gefilde auf. Mit einigen Wechseln im LineUp geht es in Richtung des Nordens Europas und man hat sich dort traditionellen Liedern des skandinavischen Kulturkreises gewidmet, um sie neu zu interpretieren. Wer aber denkt, man hätte es mit dem hundertsten Aufguss der Wikinger-Thematik zu tun, der wird schnell eines Besseren belehrt. Denn wer die Band kennt weiß, dass sie sich nicht einfach damit zufrieden gibt, irgendwas wiederzukäuen, sondern eigene Wege zu gehen.

Was direkt auffällt: Corvus Corux gelingt es, ein Soundgewand zu schaffen, das wirklich so klingt, als würden Nordmänner in Rüstungen durch verschneite Berglandschaften marschieren. Schon zu Beginn erklingt von Hörnern begleitet der Ruf zum höchsten Germanischen Gott Odin, nur um dann mit Marschtrommeln und Dudelsäcken und Gesängen fortzufahren. Ähnlich auch Sverker, in dem sich Hintergrundrufe und Fanfaren mischen. Darauf folgen mehrere Trinklieder, die ebenfalls auf eine archaische Weise vertont sind, wobei Fiach Dubh und The drinking loving dancers endlich mal tanzbare Momente bieten. Vor allem merkt man hier, wie auch sonst mit wie vielen Instrumenten hier hantiert wurde, auch wenn die Dudelsäcke sich durch das Album wie gewohnt wie ein roter Faden ziehen. Beeindruckend auch Ragnarök, das zuerst die Ruhe vor dem Sturm spüren lässt, bis das Horn erschallt und man begleitet von anpeitschenden Klängen in Richtung der letzten Schlacht zieht. Vor allem, wenn das Lied in der Mitte dann nochmal ruhiger wird und eine weibliche Sängerin über dem ganzen zu schweben scheint, muss man innehalten und genau hinhören, weil es so fantastisch klingt.

Es fällt auf, dass Corvus Corax Sverker mit so viel Ernsthaftigkeit an die Thematik herangegangen sind, dass so manche Band, die ihre Musik als Pagan Metal bezeichnet, dagegen alt aussieht und so bietet das Album mehr als nur einmal Momente, in denen einem die Gänsehaut kommt. Einfach atemberaubend.

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Homepage: www.corvuscorax.de
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Text: Tristan Osterfeld