Rezensionen & Tonträger Marius, 29.09.2008
Curse – Freiheit
Da haben wir ihn mal wieder. Einen dieser seltenen Momente: Eine HipHop-Rezension auf Alternativmusik.de. Und hier bewegen wir uns fernab von aufgesetztem Proleten-Rap und Gossensprache, sondern kommen zu einem der großen Intellektuellen des Genres, der schon in der Vergangenheit immer wieder mit durchdachten Texten und Tiefgang zu beeindrucken wusste. Dies tut er auch auf seinem neuesten Album wieder, wodurch er auch viele Gäste für seine Stücke gewinnen konnte, bei denen Marius Müller-Westernhagen und Silbermond nur zwei von den zu nennenden sind, die sich im Laufe des Albums zu Wort melden.
In erster Linie ist das Album natürlich aber dennoch ein Curse-Album, das sich musikalisch in einer großen Spannbreite des Genres bewegt und sowohl treibende Stücke mit genre-typischen Beats wie auch ruhige Stücke mit viel Harmonie und warmherzigeren Anstrich bietet. Ob nun „laut und heftig“ oder „ruhig und harmonisch“: Curse zeigt durch seine Inhalte immer wieder, dass wir es hier mit wem zu tun haben, der über das nachdenkt, was er singt. Ein Rapper, der Tiefgang bietet, dem die Botschaft sehr am Herzen liegt, der dies aber auch mit Witz und Wortspiel zu verbreiten weiß. Den lebenden Beweis dafür tritt er bereits eingangs in Der lange Weg zur… an, wenn er behauptet, dass das Leben keine Jukebox sei, obgleich man trotzdem „immer wieder Kohle reinwerfen, damit was Gutes kommt“ müsse. Um im Genre zu bleiben: Dennoch hat Curse einen ziemlichen „Flow“. Und das, was er singt/erzählt, geht gut ins Ohr und wirkt nicht aufdringlich.
Ansehnlich und auch und vor allem anhörlich ist aber auch die Liste der Gäste auf Freiheit. Beispielsweise Xavier Naidoo, der in Stell dir vor Zeilen beisteuert. Während Curse eindeutig im HipHop-Bereich agiert, begegnet im Chorus ein typischer Xavier Naidoo, der auch thematisch in seinem Metier bleibt. „Nichts ist für die Ewigkeit, schon gar nicht dieses Seelenleid.“ – Man mag von dem Mannheimer nun halten, was man will – hier passt es super. Genau so wie auch die eher genre-fremden Silbermond, deren Sängerin Steffi sich an Bis zum Schluss beteiligt. Eine interessante Konstellation, aus der ein sehr gelungenes Stück Soul-Pop entsteht, das sehr eingängig wirkt und dabei einen gelungenen Kontrast von Curse’ männlichem Sprech-Gesang und dem eingängigen Gesang der silbermondschen Frauenstimme bietet.
Was zudem schon als Vorab-Single für berechtigte Furore sorgte, ist der titelgebende Track des Albums: Freiheit. Und wer nun an einen gewissen Marius Müller-Westernhagen denkt, liegt richtig. Curse wollte hier die Stadion-Stimmung von Westernhagens Gassenhauer einfangen und konnte mit dieser Idee auch den Interpreten des Originals für sich gewinnen, so dass hier nicht bloß gesamplet wurde, sondern Westernhagen die Zeilen für das Curse-Album neu einsang. Eine gelungene Kombination weitab von simplem Texte-Recycling.
Mit all diesen Ideen und auch diesen Gästen ist dem Mindener Rapper ein wirklich gutes Album gelungen, das weitab von gängiger HipHop-Klischee-Bedienung agiert, durchdacht ist, sich Gedanken zu wichtigen Themen macht und diese mit Tiefgang verarbeitet und dem Hörer nahe bringt. So gelingt es nicht nur, ein wirklich gutes HipHop-Album zu machen, sondern auch weit über die Grenzen dieses Genres hinauszublicken. Man sollte natürlich trotzdem zumindest einigermaßen HipHop hören können, denn sonst wird auch dieses Album vermutlich etwas aufdringlich wirken. Kann man mit der Musik aber zumindest gelegentlich etwas anfangen, dann ist das hier eine eindeutige Empfehlung!
Homepage: www.curse.de
MySpace: www.myspace.com/cursearr

Text: Marius Meyer