Rezensionen & Tonträger Marius, 03.03.2004
Darkwood – Herbstgewölk
Wer dieser CD mit einer Erwartungshaltung gegenüber stand, sollte diese erst einmal ad acta legen. Wer Darkwood wegen der grandiosen Folk-Songs liebt, braucht sicher seine Eingewöhnungszeit bei diesem Werk – das könnte allerdings auch gut auf alle anderen Hörer zutreffen, denn diese CD ist alles andere als leicht.
Die Thematik hat sich auch geändert. Während auf den ersten CDs die deutsche Vergangenheit kritisch betrachtet wurde, hat man dieses Thema mit dem letzten Tonträger – der Live-CD The final hour – nun hinter sich gelassen und sich einen neuen Abschnitt der weltichen Geschichte gesucht: Der Kalte Krieg in den fünfziger Jahren. Das Verhalten sowohl von UDSSR als auch von den USA wird auf Herbstgewölk behandelt. Musikalisch äußert sich das in beklemmender Weise. Mit treibendem Neofolk ist nicht viel auf der CD, vielmehr werden bedrohliche Klanglandschaften in den Mittelpunkt gerückt, die ihre Wirkung beim Hörer hinterlassen. Statt Bombast setzt Henryk Vogel auf dem Album vielmehr auf Minimalismus. Dieser Minimalismus hat eine Wirkung, die den Hörer zum Nachdenken anregt. Angereichert wird die Wirkung nicht nur durch Instrumente wie das Violoncello, das auf der CD zu finden ist, sondern auch durch die zahlreichen Sprachsamples, auf die bei Darkwood vorher bisher nicht mit einer solchen Intensität zurückgegriffen wurde. Passend zum Thema stammen diese aus der amerikanischen und der russischen Politik. Die Akustik-Gitarre tritt im Herbstgewölk stark in den Hintergrund, wird teils gar gänzlich weggelassen. Trotzdem ist ihr Einsatz dort, wo er zu finden ist, genau an der richtigen Stelle gewählt. Die Melancholie der vorherigen Werke musste dieses mal der Dramatik weichen, die das Album durchweg erzeugt.
Ein Blick auf die Texte zeigt, wie konsequent auch dort die Thematik behandelt wurde. Dramatisch unterstreichen sie die beklemmende Wirkung, die von der Scheibe ausgehen. Texte wie „I just followed orders – didn’t care about people’s lives“ (dem Stück Orders entnommen) sind selbstredend und die enthaltene Kritik bedarf keiner weiteren Erläuterung. Optisch wird dazu das Thema auf dem schicken DigiPak behandelt – so sieht man eine Rakete über ein Kornfeld und das Herbstgewölk stellt sich in der Rauchwolke einer Bombe dar.
Um ein Fazit zu ziehen: Dieses Album ist schwierig. Es ist in etwa wie ein guter Wein – je länger es liegt, desto besser wird es. Nach mehrmaligem Hören erschließt sich die Thematik und man ist begeistert. Die Atmosphäre ist zwar anfangs beklemmend, aber auf Dauer gesehen ziemlich packend.
Homepage: www.darkwood.de

Text: Marius Meyer