Darkwood - Notwendfeuer Es wurde hier schon so oft geschrieben, es wirkt abgegriffen, man mag mit den Augen rollen, aber man muss es wieder strapazieren, das gute alte Sprichwort: Gut Ding will Weile haben. Ziemlich exakt drei Jahre ist es her, dass Henryk Vogel das letzte Darkwood-Album Notwendfeuer veröffentlicht hat. Mit Ins dunkle Land hat das dreijährige Warten nun ein Ende – die Messlatte war hoch, war doch Notwendfeuer ein hochgelobtes Album, das schon damals bewiesen hat, dass auch im Neofolk-Bereich noch positive Überraschungen möglich sind. Auf Ins dunkle Land präsentiert Henryk Vogel nun die Stärken, die Darkwood auf ihren vergangenen Veröffentlichungen ausgemacht haben, in gebündelter Form.

Unterschiede zum Vorgänger werden schnell deutlich: Ein Blick auf die Titelliste verrät schon einmal, dass auf diesem Album neben deutschen Titeln auch wieder Englisch gesungen wird und bereits der Beginn des Albums zeigt, dass die martialische Seite Darkwoods wieder mehr hervortritt als auf dem durchweg folklastigen Vorgänger. Schattenfahrt eröffnet das Album mit verhangen-dunklen Klängen und martialischem Trommeln, bevor die Caucasian Tales sich auf den Neofolk des Projekts besinnen. Man könnte sagen, dass der martialische Teil die Veröffentlichung einrahmt – nach Schattenfahrt kommt die Neofolk-Seite vollends zum Ausdruck, gegen Ende wird es wieder düster-martialisch mit Titeln wie Schattenmal, das einen leicht apokalyptischen Grundzug beinhaltet.

Die Martialik wurde hier dezenter gehalten als auf einigen Vorgängeralben – so gefällt ihr Einsatz hier deutlich besser als beispielsweise auf Flammende Welt (oder gar auf Herbstgewölk). Die größten Stärken Darkwoods offenbaren sich in den von Akustik-Gitarre und dezentem Schlagwerk getragenen Songs, seien sie auf Englisch oder auf Deutsch vorgetragen. Ein Song wie Trauermantel beispielsweise, der die Akustik-Gitarre treibend präsentiert, nachdenklich wirkt und den Hörer berührt. Zudem wird hier – wie schon oft bei Darkwood – bewiesen, dass man auch ein Akkordeon nicht unbedingt mit Shanty in Verbindung bringen muss, sondern auch im Neofolk damit eine eingängige Wirkung erzielen kann. Akkordeon, Violine, Akustik-Gitarre, Schlagwerk, Gesang – alles geht hier eine gelungene Symbiose ein und schafft ein Werk, das nachdenklich und melancholisch ist, die Hoffnung dabei aber nicht aus den Augen verliert. Darkwood schaffen es abermals, den Hörer innehalten zu lassen.

Wie auch schon bei Notwendfeuer ist hier ein Album entstanden, das für sich steht. Henryk Vogel braucht kein großes Name-Dropping, um seine Alben unter die Hörerschaft zu bringen. Es bedarf keiner Gastauftritte, um hier Großes entstehen zu lassen. Der Name Darkwood steht weiterhin für sich und für Qualität, wie Ins dunkle Land eindrucksvoll beweist. Das Album zeigt eindrucksvoll auf, wie Neofolk anno 2009 klingen kann und dürfte auch gerade diejenigen begeistern, die sich – häufig nicht unberechtigt – über den Qualitätsverlust in diesem Genre beklagen. Hier das Haar in der Suppe zu suchen, wäre vermessen. Und vergebens. Ein sehr starkes Album!

Weitere Artikel
Interview mit Henryk Vogel (August 2007)
Rezension: Darkwood – Notwendfeuer
Rezension: Darkwood – Herbstgewölk

Homepage: www.darkwood.de
MySpace: www.myspace.com/heidenvolk

Text: Marius Meyer