Rezensionen & Tonträger Marius, 29.12.2006
Darkwood – Notwendfeuer
Um mit einer Standardphrase zu beginnen: Lange wurde sie erwartet, nun ist sie (gerade noch rechtzeitig zum Jahresende) da – die neue Veröffentlichung von Darkwood. So ausgenutzt dieser Spruch klingen mag, so wahr ist er in diesem Fall. Allerdings ist Vorfreude nur eine Seite der Medaille: Zu ihr gesellte sich gleichermaßen eine hohe Erwartungshaltung, bedingt durch den hohen Maßstab, den Darkwood sich durch die Qualität ihrer bisherigen Veröffentlichungen bereits selbst auferlegt haben. Mit Notwendfeuer legen Darkwood nun ein neues Werk vor, das auf das Wesentliche reduzierten und komplett in deutscher Sprache gehaltenen Neofolk beinhaltet und dabei zeigt, dass sie die Erwartungen mehr als erfüllen konnten.
Aufs Wesentliche reduziert heißt in diesem Fall: Kein unnötiger Bombast, kein Füllmaterial sowie Verzicht auf Dinge wie gerade in diesem Genre in letzter Zeit häufig begegnende Gastauftritte anderer „prominenter“ Musiker. Stattdessen setzt die Gruppe um Henryk Vogel auf unaufgesetzt wirkende neofolkloristische Klänge in einem rein akustischen Gewand, bei denen auf diesem Werk das Thema „Jugend & Feuer“ im Vordergrund steht.
Musikalische Hauptstütze ist auch auf diesem Werk die akustische Gitarre, die in verschiedenen Spielarten der Grundstimmung entsprechend eingesetzt wirkt. Dazu treten in den zehn Stücken des Albums die Violine, Schlagwerk und weitere Perkussion, Akkordeon sowie gelegentlich eine Trompete und im Stück Roggenfelder eine weibliche zweite Gesangsstimme.
Darkwood produzieren auf diesem Werk Schönheit als Grundkategorie, durchsetzt mit Nachdenklichkeit und Dramatik, angereichert durch treibende Momente. Die Dramatik wird bereits zu Anfang des Albums deutlich: Wintermärchen (eine Vertonung des gleichnamigen Gedichtes von Otto Ernst) eröffnet mit in Moll gezupften Gitarren, zu der sich die Violine die Grundstimmung untermauernd hinzugesellt, bis auch Henryk Vogel seine vor allem hier sehr betont wirkende Stimme beisteuert. Langsam baut sich der Titel auf, bis sich das Klangbild in seiner ganzen Schönheit entfaltet, ohne sich dabei selbst zu überladen.
Die Nachdenklichkeit zeigt sich beispielsweise in einem Stück wie Feuerkreis (basierend auf Georg Trakls Gedicht Trompeten). Eine Akkorde spielende Gitarre, deren Spielart wohl dem entspricht, was gemeinhin bei der Beschreibung von Musik dieses Genres mit dem Terminus „Lagerfeuerromantik“ belegt wird, dazu neben der Gesangsstimme auch ein untermalender onomatopoetischer Gesang im Hintergrund und die Traurigkeit der Trompete.
Treibendere Momente gibt es in Stücken wie Verlorenes Heer – die bereits angesprochene“ Lagerfeueratmosphäre wird hier durch Trommeln ergänzt und verstärkt, die zwar marschartig klingen mögen, dabei aber keinen peinlichen Pathos erzeugen. Abgerundet wird das Stück durch ein Solo der Violine, die auf diesem Album eine recht dominante Position einnimmt und somit auch maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, dass die Schönheit im Gesamtwerk nie aus den Augen verloren wird.
Somit gelingen Darkwood am Ende 42 Minuten Musik, in der die genannten Komponenten und Aspekte der Musik in sehr gekonnter Form miteinander verschmolzen und ohne auch nur den Hauch eines Aussetzers präsentiert werden. Notwendfeuer kann getrost als zusammenhängendes Gesamtwerk verstanden werden, so dass es in keiner Weise nötig (und ohnehin schwer möglich) wäre, so etwas wie Höhepunkte und Tiefpunkte zu nennen. In einem gewohnt schicken DigiPak schenken Darkwood ihrer Hörerschaft auf diese Weise einen gelungenen Abschluss des Tonträgerjahres 2006.
Homepage: www.darkwood.de

Text: Marius Meyer
09 Sep 2007, 2:15 pm 1.Dominik…
Geniale Scheibe, Geniales Review… Alles an diesem Album ist schlichtweg genial, wie Forseti’s “Erde”! Einfach atemberaubend…
29 Oct 2007, 9:04 pm 2.Michael…
Ein super Album, das beste was ich bisher aus dem Bereich Neofolk gehört habe: Authentisch, gefühlvoll, sehr schöner Gesang!