Cold Spring ist ein wirklich vielseitiges Label. Das hat die Vergangenheit schon oft gezeigt: Da tritt Folk der harmonischsten Prägung immer wieder neben harschen Industrial und Klänge, die die Grenze des Ertragbaren für Otto-Normal-Konsumenten längst überschreiten. Diese Kontraste treten auch gerne direkt nebeneinander, wie die jüngste Lieferung des Labels zeigen konnte: War mit The Triple Tree ein recht harmonisches Werk dabei, so lag mit Deadwood das genaue Gegenteil direkt obendrauf. Wer bei einem Bandnamen mit –wood durch implizierte Naturverbundenheit an Folk denkt, ist hier in der Tat auf dem Holzweg, denn hier begegnet Noise der harschen Sorte mit Einflüssen aus dunklem Ambient.

“True Death Electronics. The soundtrack to your end.” So titelt es der offizielle Text des Labels in Zusammenhang mit dieser CD – dazu der Vermerk, dass es Gast-Vocals der norwegischen Black Metal-Legende Maniac gibt (Skitliv, Mayhem). Damit ist beinah schon alles über diese CD gesagt: Langsame elektronische Collagen gibt es hier, die durch rauschende Frequenzen, repetetive Elemente, konsequentes Dröhnen und bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Stimmen, die trotzdem noch geschrien werden, die Nerven das Hörer aufs Äußerste zu strapazieren versuchen. Songstruktur? Fehlanzeige. Zwar erkennt man den Anfang und das Ende, was dazwischen passiert, entzieht sich aber einer wirklichen Strukturierung. Stattdessen gehen die Songschichten ineinander über, entwickeln sich langsam und führen unbemerkt von einer zur anderen. Hierin und in dem teilweise monotonen Dröhnen, das sich im Hintergrund vernehmen lässt, besteht der Einfluss des Ambients – ansonsten ist die CD eine eindeutige Industrial-CD, bei der die Schwelle zum Noise konstant überschritten wird.

Eine typische Veröffentlichung dieses Genres, wenn man so will. Und wohl auch eine gute, soweit sich das beurteilen lässt. Das aber soll am besten die dazugehörige Zielgruppe entscheiden – an dieser Stelle lässt sich vor allem konstatieren, dass es sich um eine interessante Noise-/Industrial-Veröffentlichung handelt, die auch für diejenigen Metal-Fans interessant sein könnte, die sich in den nicht ganz so harmonischen Gefilden des Genres wohlfühlen. Für alle potenziellen Hörer vorausgesetzt: Ein starkes Nervenkostüm!

Homepage: www.deadwood.se
MySpace: www.myspace.com/deadwood666

Text: Marius Meyer