Rezensionen & Tonträger Marius, 04.07.2005
Death In June – Abandon Tracks!
Mit den Abandon Tracks veröffentlichen Death In June eine Sammlung mit dem Untertitel „Rarities, Remixes and Unreleased Recordings“, der allerdings so nur einen Aspekt der Sammlung aufgreift. Zwar sind die Stücke in der Form, wie sie hier erscheinen durchaus selten und zumeist unveröffentlicht, aber dennoch sind durchaus bekannte Stücke dabei.
Musikalisch gesehen gibt es verschiedene Kategorien auf der CD zu entdecken. Es stehen minimalistische, schöne Neofolk-Stücke verschiedener Zeiten neben Revisionen und der experimentellen Seite Death In Junes. Viele der Stücke waren vorher nur auf Compilations und anderen seltenen Veröffentlichungen zu bekommen.
Der Opener „The concrete fountain“ ist ein Instrumental, das fast schon poppig und optimistisch klingt und aus Douglas Zeit 1996 in Kroatien stand. Es ist zusammen mit dem Kopf hinter dem kroatischen Future Shock 2001 Team entstanden und zeigt, dass diese Zusammenarbeit glücklicherweise mehr Ertrag als einige seltsame Techno-Stücke mit Douglas Stimme brachte (siehe DVD „Live in Italy“). Gleich nach dem instrumentalen Opener folgt mit „The only good neighbour“ ein Stück, das den Folk der Formation von seiner schönsten Seite zeigt. Minimalistisch bewaffnet mit der geliebten Wanderklampfe (was jetzt keineswegs abwertend klingen soll), einer verträumten Melodie, ein wenig Percussion und Pearce Stimme, die hier wirklich eingängig und melancholisch wirkt, wird musikalische Schönheit par excellence geboten. Dies ist zum Beispiel auch bei „Unconditional Armistice“ der Fall, das textlich eine Vision Douglas bietet: Wie der Titel schon sagt geht es hier um seinen Traum eines absoluten Waffenstillstands. Ein Titel, vorgetragen in stiller Schönheit, der eventuell auch denen entgegentreten kann, die die Formation gerne mal mit wüsten Beschuldigungen belegen.
Interessant ist auch „My black diary“, da es gleich in zwei Varianten zu finden ist, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Einmal als „My black diary“ als schönes Folkstück unterlegt mit sphärischen Synthies und einmal als „My black diaries“ mit gleichen Lyrics, aber komplett anderer Musik. Experimentelle Soundflächen, verstörende Disharmonien und Anleihen von Noise sind hier zu finden. Ähnliches findet man auch bei „We said destroy“, das einst auf einer Split 7“ zusammen mit Fire + Ice (limitiert auf 2000 Exemplare) veröffentlicht wurde. Schwere Kost, aber durchaus mal lohnenswert. Wer es nicht mag: Auch ohne die experimentellen Ausflüge bietet die Zusammenstellung noch genug, was sich lohnt.
Ein anderer Aspekt erwähnenswerter Aspekt des Tonträgers: Revisionen. Stücke wie „Burn again“ und „Punishment Initiation“ wurden neu eingespielt und vor allem neu eingesungen. Wo Ende der 80er David Tibet zu hören war, singt nun Douglas Pearce, bei letzterem wurde auch der Bass von Gary Carey (Joy of Life) neu eingespielt. Schön anzuhören sind die Revisionen und gerechtfertigt erscheinen sie dadurch, dass Death In June schon seit Langem eher Pearce Solo-Projekt mit wechselnden Mitstreitern ist, auch. Fraglich nur, was die Fans von „damals“ dazu zu sagen haben.
Zu guter letzt sollte hier noch das Stück „Many enemies bring much honour“ erwähnt werden. Ein folkiges Stück Musik, das einerseits einen Tribut an Douglas Freund und häufigen Weggefährten Albin Julius und seinen Blutharsch darstellt und andererseits auch als ein Statement gegen die starken Antipathien, denen Death In June in den letzten Jahren immer mehr ausgesetzt war, angesehen werden könnte.
Insgesamt bietet die Zusammenstellung dem geneigten Hörer ein schönes Gesamtwerk. Auch nicht so mit der Formation vertraute Interessierte bekommen hier einen guten Einblick in das Werk. Musikalische Schönheit ist garantiert – um das Phänomen Death In June als Ganzes verstehen zu können, reicht diese Zusammenstellung allerdings nicht aus, hierfür wäre ein Tonträger schlicht zu wenig.
Homepage: www.deathinjune.net

Text: Marius Meyer