Rezensionen & Tonträger Marius, 11.09.2006
Dendemann – Die Pfütze des Eisbergs
Es mag komisch erscheinen, auf dieser Seite plötzlich eine Rezension zu einer HipHop-CD zu lesen – geht man aber ohne Scheuklappen durch die Musikwelt, so wird man entdecken, dass auch selten gehörte Genres durchaus mal Perlen hervorbringen können. Auf HipHop bezogen erscheint dies unter Umständen zwar noch ein wenig abwegiger, aber wenn man dann einmal einen Blick auf das lang erwartete Solo-Debüt von Dendemann wirft, stellt sich eine angenehme Überraschung ein. Als einer der letzten Überlebenden der goldenen Blütezeit des Hamburger HipHop zeigt Dendemann, dass es sowohl ein Leben nach besagter Zeit als auch nach Eins Zwo gibt.
Der Mann mit den reibeisernen Stimmbändern ist wieder da und betont auch gleich im ersten Titel Check mal die Rhetorik ab, dass seine 26 Kumpels immer noch dieselben geblieben sind. Diesen Worten lässt er Taten folgen: Die Pfütze des Eisbergs beinhaltet Wortakrobatik und Reimkunst in Reinform. Dabei betextet er das Leben an sich, beweist großen Metaphernreichtum, sucht neben dem vorzufindenden Tiefgang weitaus mehr als nur einen doppelten Boden in seinen Texten und lässt mit Volker Racho auch einen alten Bekannten aus Eins Zwo-Zeiten zu Wort kommen (man erinnere sich an das Video zu Hand aufs Herz). Letzterer tritt zum Beispiel in LaLaLabernich als Protagonist in Erscheinung – einem Titel über die Schwierigkeiten, eine Frau kennen zu lernen kombiniert mit Wahrheiten, die das Leben an sich einem so offenbart (in diesem Fall zum Beispiel die Feststellung, dass wirkliche Originale einem als Menschen wirklich selten begegnen). All das dargeboten über einem Beat, der sehr funky wirkt.
Die Beats – ein Thema, das beim HipHop nicht ausgespart bleiben darf. Neben den Texten, die weit über dem Niveau vieler gängiger HipHop-Veröffentlichungen anzusiedeln sind, offenbart auch die zugrunde liegende Musik erfreulich Innovatives. Wer stumpfe Battle-Rhythmen erwartet, wird auf dem Album vermutlich eher enttäuscht werden. Betrachtet man einen Titel wie 3 1/2 Minuten, entdeckt man soulig-loungig anmutende Musik, die auch vor gezupften Gitarren nicht zurückschreckt. Bei Stücken wie Endlich Nichtschwimmer zeigen die Beats hingegen mindestens genau so viel Witz wie die Texte und wirken fröhlich bis (in positiver Weise) komisch. Insgesamt ist so auch musikalisch eine gute Mischung geboten, die auch eher (auf HipHop bezogen) klassisch wirkende Beats wie in ErsoIchso nicht vermissen lässt.
Beide nötigen Elemente des HipHop sind auf Die Pfütze des Eisbergs sehr gut gelungen und zeigen ein sehr harmonisches Zusammenspiel, so dass man das Solo-Debüt Dendemanns als ein rundum gelungenes Werk dieser Richtung bezeichnen kann, das nicht nur Dendemann in gewohnter Stärke zeigt, sondern auch seit Langem mal wieder einen Lichtblick in diesem Genre darstellt. Wer sich vorher noch einen Eindruck davon verschaffen möchte, kann sich den Titel ErsoIchso auf Dendemanns Homepage herunterladen. Viel Vergnügen!
Homepage: www.dendemann.de

Text: Marius Meyer