Rezensionen & Tonträger Marius, 07.04.2010
Dendemann – Vom Vintage verweht
Zu Beginn ein kurzer Blick zurück… Bis Eins Zwo müssen wir da nicht gehen, aber es lohnt sich ein kleiner Blick aufs Detail, wenn man zurückdenkt ins Jahr 2006, zu Die Pfütze des Eisbergs, seinerzeit Dendemanns Solo-Debüt. Bei allerlei kunstvollen Zeichnungen, Bildern und Graffitis fand sich auch ein „Dende“, das im AC/DC-Stil geschrieben war. Hört man nun Vom Vintage verweht, kann man sich fragen, ob das eventuell ein Omen war. Ein Blick in die Zukunft. Denn das neue Album der reibeisernen Stimme beginnt vom ersten Ton an, gewaltig zu scheppern und ist dabei mehr als „der Schlägertyp der Schaumfabrik“ (zitiert nach V.N.D.).
„Der Rahmen war zu klein und leider viel zu eng, ich pass partout nicht rein und neige ihn zu sprengen“ gibt Dendemann schon im Opener Nesthocker zum Besten und hat damit fast schon komplett sein Album beschrieben. Vom Vintage verweht ist ein Name, der Programm ist, denn das raue Scheppern ist Programm. Noch nie hat Dendemann soviel mit Gitarren-Samples gearbeitet und in den Klängen soviel vom Rock-Gestus eingebettet wie auf diesem Album. Und dennoch hat es mit Rockmusik dabei herzlich wenig zu tun, denn Dendemann ist und bleibt Rapper mit Leib und Seele. Nur, dass sich die Rauheit der Musik hier der Stimme angepasst hat…
Inhaltlich bleibt Dendemann dabei seinem Prinzip treu. Feinster Wortwitz, der vom Gangster-Rap genau so weit entfernt ist wie vom Klischee. Und doch stimmt das Selbstbewusstsein: „Ich bin nicht so der Typ, der sich als nicht so der Typ beschreibt.“, wie er in Und wenn ja, warum? herausstellt. Auf der Suche nach dem springenden Punkt mischt er Wortwitz und Wortspiel mit Geschichten, die das Leben schreibt und impliziter Kritik. Die Single Stumpf ist trumpf 3.0 ist ein Paradebeispiel dafür. „Und dann könnt ich noch was bringen mit sozialer Kritik“ ist da so eine Zeile, die zeigt, wie hier Kritik geübt wird: Einfach mal das, was derzeit en vogue ist, beim Namen nennen. Oft muss man bei Dendemann mehrmals hinhören und drüber nachdenken, um zu merken, dass hier mehr als nur drauflos gerappt wird. Und genau das ist ja die Stärke des Hamburgers.
Für den Bereich HipHop ist das Album sicherlich ein definitiver Lichtblick. Durch den gehörigen Vintage besteht hier auch die definitive Möglichkeit, dass Crossover-Freunde dieses Album mögen könnten. Freunde des kreativen Spiels mit der deutschen Sprache kommen sowieso voll auf ihre Kosten. Allerdings muss man konstatieren, dass – wie bereits erwähnt – wirklich eine sehr intensive Rauheit anzutreffen ist. Glattgebügelt ist das hier ganz und gar nicht. Dendemann hat hier alles dran gesetzt, seine ganz eigene Note zum Programm zu machen. Das ist in Perfektion gelungen. Man muss es mögen – aber dafür dürfte es bei Vom Vintage verweht definitiv genügend Adressaten geben!
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Rezension: Dendemann – Die Pfütze des Eisbergs
Homepage: www.dendemann.de
MySpace: www.myspace.com/dendemann
Text: Marius Meyer
28 Apr 2010, 3:04 pm 1.Dendemann – Vom Vintage Verweht…
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