Rezensionen & Tonträger Tristan, 08.09.2010
Der Blutharsch – Live in Leiden
Ein Live-Album von Der Blutharsch. Das dritte in gerade mal fünf Jahren. Na wenn das mal nicht nach Fan-Abzocke riecht. Der Vorwurf mag bei vielen Bands, die ähnlich viele Live-Alben so kurz hintereinander raushauen auch berechtigt sein. Bei einer Band, die allerdings einen so radikalen Stilwechsel hinter sich hat, verpufft dieser gerade bei Der Blutharsch im Nichts, war das letzte Livealbum (Live in Copenhagen) doch eines, das repräsentativ für die aktuelle Schaffensphase war und Live at the Monastery ein Unplugged-Album mit akustischen Instrumenten. Live in Leiden dagegen beleuchtet dagegen die frühere Schaffensphase bis zum Time is thee Enemy-Album, weswegen diese Veröffentlichung besonders all jene interessieren könnte, die mit der neuen musikalischen Ausrichtung der Band nichts mehr anzufangen wissen.
Ob diese CD diese wirklich interessieren wird oder diese die Band längst abgeschrieben haben, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass man auf diesen Album genau das zu hören bekommt, was dafür gesorgt hat, dass Der Blutharsch zumindest früher immer einen bösen Ruf hatte: Martialisches Getrommel und Songtexte, die eindeutig missverständlich sind. Dabei das berühmt-berüchtigte God punish England, Vaterland, Vier Reiter, Shoulder to Shoulder, Time is thee Enemy oder die Eigen-Interpretation von Die Wacht am Rhein, welches brachial mit nicht enden wollendem Patria et libertas-Geschrei das Album abschließt und schließlich in einem Marsch in einer schwer erkennbaren Sprache endet. Allerdings merkt man auf diesem Album auch schon langsam den Umbruch, der sich wenig später vollziehen sollte, taucht schon öfters eine Gitarre auf, die sich allerdings hier noch dezent im Hintergrund hält.
Gab es von der ersten Schaffensphase der Band von einigen Bootlegs abgesehen noch keine Live-Aufnahmen, kann man hier von einer durchaus berechtigten Veröffentlichung sprechen: Vor allem aus dokumentarischer Sicht ist die CD interessant, aber genau so ist es spannend, sie mit den anderen Live-Alben zu vergleichen. Vor allem wenn im Oktober noch eine Live-DVD von der letzten Tour veröffentlicht werden soll.
Weitere Artikel
Rezension: Der Blutharsch – Flying High!
Rezension: Der Blutharsch/Our Survival Depends On Us – Split
Rezension: Der Blutharsch – Everything is alright!
Rezension: Der Blutharsch – When all else fails!
Das Jahr 2007 aus zwei Perspektiven
Rezension: Der Blutharsch – The Philosopher’s Stone
Rezension: Der Blutharsch – Live in Copenhagen
Rezension: Der Blutharsch – When did wonderland end?
Homepage: www.derblutharsch.com
MySpace: www.myspace.com/derblutharsch

Text: Tristan Osterfeld