The Tao of Wisdom and Misery. So heißt das neue und fünfte Album der Londoner Band Descendants of Cain. Um Mastermind Darryl „D“ Krueger spannen die Gothic Musiker gekonnt ein Netz aus atmosphärischem Goth Rock, Industrial Metal bis hin zu Ambient. Selbst wer bisher nicht viel Goth Rock am Hut hatte, wird dieses Album zu schätzen wissen. Denn tiefgehende, ernste Texte, die mutig mit der Widersprüchlichkeit und der Selbstüberschätzung der Menschheit abrechnen, umfließen die Hörer und sind dabei in fast schon elegisch anklingenden und bewegenden Melodien gebettet. Welche Weisheiten man auch aus diesem Album heraushören möchte, eines hört man ganz bestimmt: Klasse.

Schon der Opener Between You and Oblivion lässt erahnen, wo die 15 Lieder hinwollen: halb mystisch und nachdenklich sinniert D über die Wahlmöglichkeiten des Menschen – ist man Teil oder erhebt man sich gegen die Missstände? Auch Made By You ist atmosphärisch und gediegen, die Band will den Hörer nicht nur mit gekonntem Goth Rock überzeugen, sondern aufwecken. Es geht vor allem um die Message, die verdeutlicht werden sollte. Da passt das typische Gothic nicht, sondern man ist eher traditionell und kritisiert die Menschheit in ruhigen Tönen.

Doch auch der Industrial Metal findet seinen Weg auf die Platte. Während man bei Organism schon erahnt, dass die Band auch härter sein kann, lernt man die Metal Seite erst bei Transcendence kennen. Da findet man sich auf der Seite des zu metallischen wieder und die Band wendet sich fast schon aggressiv an die Hörerschaft. Dieses Merkmal findet man unter anderem auch bei Hymn of Shades oder Break Down. Und trotzdem kann man nicht genug bekommen und will weiterhören. Die Lieder driften nicht in die Eintönigkeit von Gitarre schrammeln und so tief wie möglich krächzen ab. Sondern zeigen immer wieder eine andere, überraschende Seite.

So zum Beispiel Human oder The Listeners. Einfach nur grandios. Wenn moderner Goth Rock immer so klingt, dann wollen mehr und mehr Leute Alben davon im Haus haben. Die angenehm tiefe Stimme von D überragt das bei beiden genannten Songs das eindringliche Liedkonstrukt und beweist, dass auch die sogenannte dunkle Musik in den Weiten der Musikwelt unersetzlich ist. Und genau das ist das Resümee des neuen Albums von DoC. Wenn dies der Goth Rock von heute ist, dann sollten sich die Goth-Bands von gestern diesem Trend anschließen. Die Engländer haben bewiesen, dass sie auf der richtigen Spur angelangt sind. Und diese kann nur noch weiter nach oben führen.

Homepage: www.descendantsofcain.co.uk
MySpace: www.myspace.com/descendantsofcainofficialpage

Text: Katrin Gruhl