Man fühlt sich zurückgesetzt in Zeiten von Woodstock und Musikern wie Neil Young mit seinen ausufernden Arrangements. Also eine reichliche Generation vor unserer Zeit. Schaut man dann einmal in die Biographie von Devendra Banhart, meint man, nicht richtig zu sehen: 1981 geboren bringt er es gerade mal auf 26 Jahre und gehört also gar nicht zu der Generation, der man seine Musik zuordnen möchte. Ausufernde Stücke mit viel Spielraum, eine Spieldauer, bei der die Kapazität des Mediums nahezu ausgenutzt wird und ein Gefühl von Jamsession schweben über dem Album mit dem langen Titel Smokey Rolls Down Thunder Canyon.

16 Stücke auf reichlichen 71 Minuten gibt es von Devendra Banhart hier zu hören, die mit einer gekonnten Leichtigkeit präsentiert werden und dabei eine stilistische Bandbreite von balladesken Klängen über epischen Rock und lateinamerikanische Einflüsse bis hin zu Reggae-Tunes und überraschenden Einsprengseln abdecken. Hört man einen Titel wie Samba Vexillographica erinnert man sich an alte Zeiten mit Musikern wie Santana, bei Seahorse hingegen fühlt man sich in vermeintliche Endlosschleifen versetzt und hört einen deutlich psychedelischen Einschlag heraus.

Auch der folkloristische Einschlag ist nicht zu verachten. Mit klaren Gitarren und eingängigen Rhythmen treiben Stücke wie Shabop Shalom locker nach vorne. Immer wieder scheint dabei diese Leichtigkeit und Lockerheit aus den Stücken heraus. Das alles wird unter dem Deckmantel des Rock vereint. Eine lockere Spielweise ohne viele Ecken und Kanten, dafür mit diesem leicht psychedelischen Unterton. Devendra Banhart nimmt den Hörer mit auf eine lange Reise durch seine musikalische Welt.

Immer wieder hat man beim Hören den Eindruck, der Musiker würde zu einer vom Jetzt entfernteren Musikergeneration gehören und so mag man manchmal meinen, für diese würde er auch musizieren. Es ist also ein mutiger Schritt, mit dieser Musik im Hier und Jetzt aufzutreten und zu versuchen, diese für die Jetzt-Generation schmackhaft zu machen. Zu vielen Teilen gelingt dies auch auf dem Album. Allerdings ist das, was sonst oft zu kurz kommt, hier ein kleiner Haken: Die Länge. Es ist eben für heutige Verhältnisse sehr eigene Musik, die den Hörer auf über 70 Minuten mitunter fordert. So etwas jener Art, für die man eine Ader braucht. Handwerkliche Perfektion ist dabei erreicht und der Liebhaber wird darin aufgehen. Für andere unter Umständen ein ambivalentes Vergnügen.

Homepage: www.devendrabanhart.com
MySpace: www.myspace.com/devendrabanhart

Text: Marius Meyer