Rezensionen & Tonträger Marius, 05.04.2007
Die Fantastischen Vier – Fornika
An die 16 Jahre ist es tatsächlich schon her, dass Die Fantastischen Vier mit Jetzt geht’s ab ihr Debüt-Album veröffentlicht haben. Die Gründung geht sogar noch weitere Jahre zurück. Dennoch sind sie immer noch da, auch wenn sie selber zugeben, dass so ein Album aufzunehmen immer eine anstrengende Angelegenheit ist. So sind diesmal wieder über zweieinhalb Jahre ins Land gegangen seit Viel, was zwar im Vergleich zu der Zeit davor wenig ist, dennoch aber im Vergleich zu anderen im Genre nicht sehr schnell ist. Dafür (um mal wieder die Analogie mit einem guten Wein heranzuzitieren) ist das Album in dieser Zeit gereift und so zu einem wirklich ausgereiften Endprodukt geworden.
Wo nun in der Einleitung schon das Wort „Genre“ gefallen ist: Ist das HipHop? Nun, es ist Sprechgesang und es hat mehr oder weniger Beats im Hintergrund. Aber das, was man landläufig mit dem Terminus „HipHop“ assoziiert, sucht man hier vergebens. Die Fantastischen Vier waren im Grunde diesem Genre schon immer einen Wurf voraus, weshalb es auch nicht weiter verwundert, dass große Teile der HipHop-Fangemeinde mit den Fantastischen Vier im Grunde nicht viel anfangen können. Schon 1997 präsentierten sie sich auf ihrer VHS Nur für Erwachsenen! im Großen als eine Persiflage ihres Genres und Künstler der Selbstironie mit einer Menge verborgenem Tiefgang und vor allem mit Witz.
Und heute? Eigentlich kann man nicht mehr davon sprechen, dass die Gruppe dem Genre voraus sei, sondern muss sich eingestehen, dass sie ihm gänzlich entwachsen sind. Rudimentär sind auf Fornika – eher in Form von Anspielungen – noch Elemente zu finden. Insgesamt zeigt die CD sich ansonsten musikalisch und textlich ausgereift, professionell und doch nicht wie ein lästiges Pflichtprodukt. Vielseitige Musik, die durch den aus dem Jargon bekannten Begriff „Beats“ einfach nur beleidigt wäre, die von treibend über finster bis teilweise hin zu rockig geht trifft auf den bekannten Sprechgesang der Beteiligten, bei dem der zweite Kompositionsteil „-gesang“ durchaus wörtlich genommen werden darf. Ja, es klingt teilweise auch rein auf die Stimmen bezogen extrem musikalisch, was die Stuttgarter Formation hier abliefert. Inhaltlich gibt es Wortwitz mit Niveau, das sogar dort noch besteht, wo die Oberfläche platt wirkt.
Es wäre müßig, hier Einzelstücke herauszuheben. Das Album steht für sich. Die Fantastischen Vier bleiben damit ein Faszinosum für sich. Die HipHop-Band, die keinen HipHop macht. Eine Konsensband, die eigentlich keine ist. Auf jeden Fall aber eine Gruppe, die mit Erfolg ihr ganz eigenes Ding macht und auch nach so vielen Jahren noch hörbar Spaß dabei hat. Dies erscheint gar nicht so selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass alle vier inzwischen alterstechnisch kurz vor der 40 stehen, was vor allem im Sprechgesangs-Bereich (um „HipHop“ als Stichwort mal zu vermeiden) unüblich ist. Sie sind unheimlich jung geblieben und haben sich doch stets weiterentwickelt und neu erfunden. Auch dieses Album zeigt wieder, warum man Die Fantastischen Vier quer durch alle Altersstufen und Arten von Menschen hört. Sehr gelungen!
Homepage: www.diefantastischenvier.de

Text: Marius Meyer